kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Iraks Christen protestieren durch Fasten und Gebet 18. Mai 2010

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 17:37

Erzbischof Louis Sako, chaldäisch-katholischer Erzbischof von Kirkuk, fordert besseren Schutz der Christen im Land

Mit einem Fasten- und Gebetstag haben die Christen im Irak gegen die zunehmenden gegen sie gerichteten Gewalttaten im Land protestiert. Der Erzbischof der nordirakischen Stadt Kirkuk, Louis Sako, hatte zu diesem friedlichen Protest aufgerufen. Allein in der etwa 200 Kilometer nördlich von Kirkuk gelegenen Stadt Mossul waren in den letzten zwei Wochen mindestens sieben Christen ermordet worden, dutzende christliche Familien hatten die Stadt daraufhin in Panik verlassen. In seiner Sonntagspredigt in der Kathedrale von Kirkuk sagte Erzbischof Sako, die barbarische Ermordung von unschuldigen Christen sei ein “Akt der Schande” gewesen, der die Menschenrechte, die nationale Einheit und alle religiösen Werte verletze. Er warnte vor einer weiteren Radikalisierung des Iraks, falls noch mehr Christen aus dem Land vertrieben oder unter “das Banner des Islam” gezwungen würden. Um das zu verhindern, habe sich die Kirche dazu entschlossen, durch Fasten und Gebet ihre Solidarität mit den Ermordeten zu zeigen und gegen die “feigen Anschläge” zu protestieren. Erzbischof Sako erklärte gegenüber unserem Hilfswerk, er habe an seiner Residenz und an der Kathedrale von Kirkuk Plakate aushängen lassen, auf denen die Mordanschläge scharf in arabischer und englischer Sprache verurteilt würden. Die genauen Hintergründe der Anschläge sind zwar noch unklar, ein Zusammenhang mit den Parlamentswahlen am kommenden Sonntag liegt jedoch nahe.

Irakische Christen in einer Kirche: In seiner Predigt sagte Erzbischof Sako, die Ereignisse in Mossul seien das Ergebnis von “Spannungen und Machtkämpfen zwischen politischen Kräften” und fügte hinzu, dass es ohne eine nationale Einheit im Irak keine Stabilität im Land geben könne. Die politischen Parteien rief er zu mehr Dialogbereitschaft auf und forderte die Zentralregierung in Bagdad sowie die Kommunalregierungen auf, ihre Bürger und insbesondere die Christen besser vor Mordanschlägen zu schützen. “Wir sind mehr denn je unter Beschuss!”, klagt der Erzbischof abschließend an. Die Unterstützung der Christen im Nahen und Mittleren Osten ist eine der Hauptaufgaben von KIRCHE IN NOT. Papst Benedikt XVI. hatte das Hilfswerk persönlich darum gebeten, da er die Kirche in dieser Region “in ihrer Existenz bedroht” sehe. Heute leben ca. 300 000 bis 400 000 Christen im Irak, vor zwanzig Jahren waren es noch rund 1,4 Millionen.

Angriffe gegen Christen im Irak halten an
Bischof Louis Sako spricht sogar von einer “ethnischen und religiösen Säuberung”

Immer wieder kommt es im Irak zu Angriffen auf Kirchengebäude. Die Anschlagsserie auf christliche Einrichtungen im Irak hält an. In diesen Tagen wurden im nordirakischen Mossul ein Baby getötet und über 40 weitere verletzt, nachdem eine Granate in eine christliche Schule geworfen wurde. Kurz zuvor explodierte vor einer Kirche eine Autobombe, die allerdings nur Sachschäden verursachte. Bei einem weiteren Angriff entstand ebenfalls Sachschaden an der syrisch-katholischen Kirche im Norden Mossuls, nachdem auf der Straße vor dem Gebäude ein Sprengsatz explodierte. Diese Angriffe reihen sich in eine Serie von Gewalt gegen christliche Einrichtungen in der nordirakischen Stadt ein. Am 26. November zerstörten Terroristen die St.-Ephraim-Kirche und das Mutterhaus der Dominikanerschwestern. Die meisten Nonnen seien geflohen, berichtete ein Informant der Nachrichtenagentur AsiaNews. Einige wenige seien zwar geblieben, wagten es aber nicht, ihr Kloster zu verlassen.

“Eine Zukunft der Versöhnung und Gerechtigkeit ermöglichen”: Auch am vergangenen Sonntag rief er nach dem Angelusgebet zum Gebet für die irakischen Christen auf. Er sagte wörtlich: “Heute möchte ich mich besonders dem Gebet anschließen, der vom Bischofsrat in Ninive ersucht wird. Ich bin allen Christen in dem Land nahe. Sie sollen nie aufgeben, sich für das Gute in ihrem Vaterland einzusetzen. Sie sind schon seit Jahrhunderten ein vollwertiger Teil dieses Landes. Und schließlich grüsse ich die Iraker auf dem Petersplatz. Ich rufe die internationale Staatengemeinschaft auf, den Irakern eine Zukunft der Versöhnung und Gerechtigkeit zu ermöglichen. Auch wünsche ich in der Hoffnung auf Gottes Hilfe, dass alles getan wird, damit dort wieder Frieden herrscht“.

Irak: “Panik” unter den Christen in Mossul
Neuer Erzbischof von Mossul ruft zum unterstützenden Gebet auf

Die Situation der Christen im Nordirak spitzt sich zu. Der Erzbischof von Mossul, Amil Shamaaoun Nona, sagte in einem Gespräch mit unserem Hilfswerk, wenn es so weitergehe wie in jüngster Zeit, würden bald alle Christen Mossul verlassen haben. Allein in der zweiten Februar-Woche seien dort sechs Christen von Extremisten ermordet worden. Die Morde sind nach Aussage von Erzbischof Nona politisch motiviert gewesen und hätten die Vertreibung aller Christen aus der Stadt zum Ziel gehabt. Wer genau hinter den Anschlägen stecke, sei ihm nicht bekannt. Er vermutet aber, es sei eine “politische Gruppierung, die einen Nutzen vom Verschwinden der Christen hätte”.

“Blanke Panik” unter den Christen in Mossul: Die Stimmung unter seinen Gläubigen beschreibt der Erzbischof als “blanke Panik”. Ob bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause – nirgendwo seien Christen in Mossul vor Mordanschlägen sicher, sagte Nona. Unter diesen Umständen falle es den Menschen sehr schwer, noch in der Stadt zu bleiben. Von den fünftausend christlichen Familien, die noch im Jahr 2003 in der Stadt lebten, sind heute nur noch wenige geblieben. Täglich verlassen nach Aussage des Erzbischofs etwa ein Dutzend Familien die Stadt Mossul. Abschließend appellierte Erzbischof Nona an die westlichen Medien. Er betonte, dass über das Leid der Christen in Mossul dringend mehr berichtet werden müsse, wolle man ihrer Ausrottung nicht tatenlos zusehen. Den Christen in aller Welt rief Nona zu: “Wir bitten verzweifelt um euer Gebet für uns!”

Morde im Namen politischer Parteien
Erzbischof von Mossul fordert mehr Schutz für die Christen im Irak

Der syrisch-katholische Erzbischof der nordirakischen Stadt Mossul, Basile Georges Casmoussa, hat die irakischen Behörden nach den jüngsten Terroranschlägen gegen Christen in seiner Diözese scharf kritisiert. In einem Interview mit KIRCHE IN NOT sagte Casmoussa, die irakische Regierung und die Sicherheitskräfte seien nicht in der Lage, die Christen vor militanten Islamisten zu beschützen, die sie aus dem Land vertreiben wollten. “Einige Politiker sind sogar in die terroristischen Aktionen verwickelt, und einige Morde geschehen im Namen politischer Parteien”, klagte der Erzbischof an. Derartige Absprachen zwischen christenfeindlichen Terroristen und politischen Parteien verhinderten ein wirkungsvolles Eingreifen des Staates, so Casmoussa. Er kritisierte die Behörden, diese seien “zu beschäftigt damit, Sitzungen abzuhalten”, anstatt sich um die Sicherheit von Minderheiten zu kümmern. Da sich die irakische Armee, Polizei und Regierung trotz aller Sitzungen untereinander nicht absprächen, seien den Terroristen “alle Türen geöffnet”, beklagte Casmoussa. Erst am vergangenen Sonntag waren bei einem Bombenattentat auf einen mit christlichen Studenten besetzten Buskonvoi nahe Mossul vier Menschen getötet und über 160 zum Teil schwer verletzt worden.

Kirche in Mossul, der zweitgrößten Stadt Iraks: Erzbischof Casmoussa hatte daraufhin ein Eingreifen der Vereinten Nationen gefordert, um die Christen im Irak zu schützen. Er habe das Gefühl, dass es “keine Staatsgewalt” mehr in Mossul gebe. Casmoussa rief die Zentralregierung in Bagdad dazu auf, “die Schuldigen für die Anschläge zu finden und zu verurteilen”. Der Erzbischof bittet die Freunde und Wohltäter von KIRCHE IN NOT um ihr unaufhörliches Gebet für den Irak. Wörtlich sagte er: “Die Hilfsprojekte von KIRCHE IN NOT sind ausschlaggebend für die Zukunft des Christentums in unserem Land.”

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s