kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Warum schwieg Christus? 30. März 2010

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 16:10

Von Metropoliten Bischoy

„Wie ein Schaf angesichts seiner Scherer tat seinen Mund nicht auf “ (Jes.53:7)

       Bekanntlich verhält sich ein Schaf ruhig, wenn sein Fell geschert wird. Genauso widersetzte sich Christus denjenigen nicht, die ihn beim Peitschen und Kreuzigen entkleideten. Viele stellen die Frage: Warum schwieg Christus? Warum verteidigte er sich nicht vor dem Hohen Rat und Pontius Pilatus? Weshalb entlarvte er vor Pilatus nicht die Lüge und Heuchelei der Hohenpriester, als sie sagten: „Wir haben keinen König außer dem Kaiser“ (Joh.19:15)?

       Dies äußerten sie, während sie latent alles vorbreiteten, sich gegen den Kaiser, den römischen und heidnischen Besatzer, zusammenzurotten. Sie versuchten, Christus als Gegner für den Kaiser erscheinen zu lassen. Zuvor sagten sie und die Schriftgelehrten: „Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen“ (Joh.11:48). Im selben Jahr sagte Kajaphas zu ihnen: „Ihr denkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht“ (Joh.11:50). Damit meinten sie, dass die Lehre Christi über Frieden und Nächstenliebe sich nicht mit ihrer Willensbestimmung, die Römer zu bekämpfen, in Einklang gebracht werden konnte. Auf diese Logik stützte sich der Hohe Rat, als er vorurteilsvoll entschied, Christus zu töten, bevor er festgenommen wurde.

       Warum schilderte Christus dem Statthalter Pilatus nicht: seinen Plan der Erlösung, seine wahre Gottheit, seine vor aller Zeiten Geburt vom Gottvater, warum er Mensch wurde, und warum er gekreuzigt und auferstehen wird? Denn Pilatus fragte doch ihn: „Was ist Wahrheit“? (Joh.18:38), und Christus gab ihm keine Antwort! Warum protestierte Christus nicht, als Barabas, der Verbrecher, entlassen und er verurteilt durch Kreuzigen wurde, obwohl er unschuldig war? Denn es gab keinesfalls Vergleichbarkeiten zwischen den beiden! Außerdem stand es dem Statthalter nicht zu, den Juden die freie Wahl zu lassen, sich für einen der beiden zu entscheiden. Denn man vergleicht keinen Rechtschaffenen mit einem Verbrecher?

+ Erstens: Christus verteidigte sich nicht, weil er vorhatte, sein Leben als Sühnopfer hinzugeben (Jes.53:10). Das heißt, dass er den Tod am Kreuz als Träger der Sünden der Welt erduldete, um die göttliche Gerechtigkeit anstatt den Menschen gelten zu lassen. Dennoch lehnte er zugleich alles ab, was seine Lehre schädigen konnte, damit keiner das Christentum missversteht. Zum Beispiel sagte er zu Pilatus: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Joh.18:36), als er Christus fragte, ob er der König der Juden sei.

+ Zweitens: Christus protestierte weder gegen die Freilassung von Barabas noch gegen seine Verurteilung durch Kreuzigung. Denn er wollte ein klares Bild von der Ersetzung zwischen dem sündhaften Menschen und dem Heiligen Höchsten. Der Höchste bzw. das Wort Gottes, das sich Fleisch nahm und Mensch wurde, um den Platz der Sünder einzunehmen.

+ Drittens: Christus erklärte dem Statthalter Pilatus nicht, was die Wahrheit ist, weil er die geringere Wahrheit erkennen und anerkennen sollte, bevor ihm die vollkommene Wahrheit offenbart werden konnte. Diese Prüfung bestand Pilatus nicht, zumal er einen Unschuldigen kreuzigen ließ, obwohl er selbst sagte: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Gerechten“ (Mt.27:24). Es nutzte ihm gar nichts, dass er sich seine Hände mit Wasser wusch, da er sich mit den Juden für die Kreuzigung Christi verantwortlich machte. Die Waschung mit Wasser nutzt, wenn sie von Umkehr und Schreiten auf dem Pfad der Wahrheit begleitet wird. Das ist, was der Prophet Johannes, der Täufer, unternahm, als er mit Wasser zur Umkehr taufte. „So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden“ (Mk.1:4). Er wies sie zurecht: „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen“ (Mt.3:8-10).

       Andererseits berührte Gott das Herz der Gattin des Pilatus durch einen Traum. „Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Lass die Hände von diesem Mann. Er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum“ (Mt.27:19). Pilatus aber urteilte nicht nach Recht, weil er den Aufruhr der Juden und die Macht des römischen Kaisers fürchtete. Dieserhalb genügte ihm nicht, zu erfahren, wer Christus eigentlich ist. Bei dem Gleichnis vom ungerechten Verwalter sagte Christus: „Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch das das wahre Gut anvertrauen“ (Lk.16:11). Der Heilige Geist wirkt in allen Menschen. Jedoch offenbart er ihnen die Gottheit Christi und lädt sie zur Taufe der Erlösung ein, nur wenn er feststellt, dass sie nach der Wahrheit ehrlich suchen. Daher steht es in der Heiligen Schrift Folgendes geschrieben: „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“ (1Kor.12:3).

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s