kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Vorlesung im amerikanischen Institut „Hudson“ – Teil II 9. Februar 2010

Filed under: Von hier und dort — Knecht Christi @ 15:33

Seine Exzellenz Bischof Thomas

Das heißt, dass der Begriff „Kopte“ nicht nur religiösen Hintergrund hat, sondern auch Kulturellen. Außerdem dauert die Arabisierung an, welche nicht nur die Sprache umfasst. Denn sie verschlingt auch kulturelle Werte wie Kalender, Bräuche, Sitten und die Arten der Kunst. Darum hat man das Gefühl, von unseren Mitmenschen im Stich gelassen zu werden, weil wir zusehen müssen, wie man unsere Werte wegnimmt, denen dann andere Namen verliehen werden. Als Beispiel dafür nennen wir die „Holzschnitzerei „.

       Jene Kunstart ist bekanntermaßen rein ägyptisch. Auf einmal wurde sie eine islamische Kunstart! Dass eine Person, Gruppe oder sogar Millionen zum Islam übertreten, wird das Faktum nicht abändern, dass dieses Handwerk ursprünglich ägyptisch ist. Trotz allem wurde es auch als islamisch umbenannt. Da werden die Ägypter sich fragen, woher diese Kunstart kam, und ob sie islamisch sei? Nachweisbar ist es, dass jene Kunst in der arabischen Halbinsel gar nicht bekannt war, zumal keine Bäume in dieser kahlen Wüste wuchsen [Dr. Mohamed Abdel Aziz Marzuk – „Die ägyptische Kunst“ – S.7,11,19 / Dr. Saiada Ismail Alkaschif – „Ägypten zu Beginn des Islam“ –  S. 293,294].    

       Meine Kultur wurde mir also geraubt und wurde anderes genannt. Nach meinen Begriffen heißt das „Fälschen der Geschichte“! Wenn wir Beispiele dafür anführen würden, bräuchten wir Stunden dafür, zumal sie zahlreich sind [Dr. Said Alkemny – „Gesetz der Gewalt“ – S.27 / Dr. Alfred Butler –  „Die Eröffnung Ägyptens durch die Araber“ – Seite 280]. 

Islamisierung im Anmarsch

       Dieser Prozess beschränkt sich nicht darauf, die Menschen zum Islam zu locken. Es geht aber dabei um verschiedene Richtungen und Mittel; wie zum Beispiel: Medien und Schulen!

        In den Schulen, wo wir viele Jahre von Kindheit an verbringen, bekommt man zu hören, dass der Islam der richtige Weg des Lebens ist. Unsere Kinder, welche eine Minderheit bilden, müssen mit dieser Tatsache leben! Was sie in der Schule hören, und was da gelehrt wird, unterscheidet sich total von dem, was sie in ihren Kirchen gelehrt bekommen. Stellen Sie sich bitte vor, dass Sie ein Kind seien. Sie gehen zur Schule, wo Sie etwas hören, und dann gehen Sie nach Hause, wo Sie das Gegenteil hören. Jenes Kind muss Verse aus dem Koran auswendig lernen, damit es sie bei der Prüfung wiedergeben kann. Ist das fair oder akzeptabel? Umzingelt von diesen Bürden wachsen unsere Kinder auf. Denn im Laufe der langen Schuljahre muss ein Schüler die Geschichte der Siege von islamischen Eroberern lernen. Das ahnungslose Kind muss ja die arabischen Besatzer beloben, welche sein Land eroberten. Wie soll es sich da fühlen?! Außerdem lernt man viel zu wenig über die Geschichte der Pharaonen und der Kopten. Der Lehrstoff beinhaltet nichts über den Alltag Ägyptens, während er von den genannten Sachen erfüllt ist, welche obligatorisch sind.

       Wir alle – und ich gehöre selbstverständlich dazu – sind damit groß geworden, koranische Verse, etliche Gespräche Mohameds (Hadithe) und die Geschichte der islamischen Heere auswendig gelernt zu haben. Wir mussten sie auswendig lernen, um die Prüfungen bestehen zu können! Logisch mussten wir das belobigen und ihre Ansichten zumindest für die Schule übernehmen. Dies verringert das Gefühl in einem, dass es Gerechtigkeit oder Fairness überhaupt gibt. Derselbe Hergang wird von den Medien heutzutage verfolgt. Egal wo man sich befindet, hört man den vorgelesenen Koran; und zwar unbeschreiblich laut! Dagegen kann man gar nichts unternehmen. Dies ist natürlich eine Art von den Belästigungen, welche für Kopten an der Tagesordnung stehen. Wir fordern doch keinen auf, mit dem Gebet aufzuhören. Jedoch sollen sie uns nicht dazu zwingen, ihren Koran auf Straßen und in den eigenen Wohnungen zu hören; und zwar rücksichtslos jederzeit! [Dr. Refaat Alsaaid – „Was ist mit Ägypten los?“ – S.53 / Dr. Hussam Omar –  „Terrors Wurzel“ – S. 78].

       Fundamentalismus gewinnt wuchernd Oberhand, was Ägypten eine schwere Zeit machen lässt. Folglich wird die Einheit zwischen Kopten und Moslems erschwert. Es wird zum Beispiel davon ausgegangen, dass alle Moslems ein Lager sind, selbst wenn sie in verschiedenen Ländern leben. So gehen die Medien vor, obwohl dies völlig unlogisch ist.

 

       So sollen die Kopten leben! Sie sollen sich gefallen lassen, wie das Christentum herabgewürdigt wird, was die Medien gezielt durchführen. Von unserer Seite her gibt es etliche Bücher, die es couragiert riskieren, darauf zu antworten. Allerdings werden jene Bücher oder Artikel von den staatlichen Medien und den offiziellen Zeitungen boykotiert. Den Kopten bleibt gar nichts anders übrig, als sich an die christlichen Zeitungen zu wenden. Wir hoffen auf jeden Fall auf bessere Verständigung und Verträglichkeit. Anfang der 70iger fasste Fundamentalismus Fuß in Ägypten, was die Staatschefs zu verantworten haben. Und wenn wir einem Unrecht ausgesetzt werden, sagen wir direkt, dass dieses Verhalten das logische Produkt vom Fundamentalismus ist, mit dem man sich auseinandersetzten sollte [Ibrahim Issa – „Turbane und Dolche“ – / Dr. Farag Fuda – „Vor dem Fall“ / Artikel vom Kanzler Elaschmauy].

 

Aus den bereits veröffentlichten Fällen gebe ich Ihnen einige Beispiele dafür. „Die Beduinen überfallen zum 18. Mal das Kloster des Heiligen Bane in Malawy“. Drei Mönche werden entführt und gefoltert. Von ihnen wurde verlangt, aufs Kreuz zu spucken, und dass sie sich zum Islam bekennen sollten. Das alles vertrauten die befreiten Mönche den Medien an. Was kam denn dabei raus? Wie jedes Mal wurde ein Szenario fabriziert, das nichts mit der Wahrheit zu tun hat. Der fanatische und religiöse Hintergrund wurde verschwiegen, und was präsentiert wurde, war eine Geschichte über Konflikt zwischen Nachbarn wegen eines Grundstückes!

 

       In Faium übertrat eine junge Frau zum Islam und heiratete einen Moslem. Sie lebte eine Zeit lang mit ihm und dann brannte sie aus irgendeinem Grund durch. Wie ist die natürliche Reaktion der vernünftigen Menschen bei so einer Situation? Normalerweise  hätte sich jene Frau ans Gericht gewandt, um sich scheiden zu lassen; oder sie lässt sich beraten, oder ihre Familie um Hilfe bitten. Aber weil sie eine Christin war, sprach sich das Gerücht herum, dass sie zu ihrem Dorf zurückkehrte. Sofort wurden die Christen dieses Dorfes angefallen. Ihre Häuser wurden verbrannt, Geschäfte geplündert und Ackerfelder verwüstet. Das war ja nicht alles! Denn die junge Frau war nicht im Dorf und die Polizei fahndete nach ihr, um sie zu ihrem Ehemann zu führen, da sie mit dem zu leben hat!?! Ich weiß es wirklich nicht, wie und nach welcher Vorstellung sie dazu gezwungen werden sollte. Ist das normal!?!

       Und jetzt … was erwarten Sie von einem Kopten, der unter diesen Umständen lebt? Wie soll er sich verhalten? Sich und seine Familie schützen? Sich öffnen und über seine Misere sprechen? Wir sind keineswegs Feiglinge oder eine schwache Kirche. Im Gegenteil; wir sind durch die in uns ruhende Liebe stark, welche stärker als der Hass ist. Trotz der Verfolgung und Diskriminierung sind wir stark, weil Liebe, Recht und Hoffnung stark sind. Dieserhalb sind die Kopten in Ägypten trotz Emigration stark. Es ist besorgniserregend, dass massenhafte Christen den Nahen Osten verlassen. Daher appelliere ich, den Christen zu helfen, damit sie in ihren Heimaten bleiben und sich  in der eigenen Heimat wohl fühlen.

Danke fürs aufmerksame Zuhören

 

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