kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Betrachtungen über das Buch Jona 27. Januar 2010

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 12:55

Von seiner Heiligkeit Papst Schenuda III

{Anlässlich des dreitägigen Fastens Jonas bei der koptischen Kirche}

 

       Von diesem Buch würden wir nützliche Lektionen für unser Leben lernen. Wir sollten aus Gottes Handeln, Tugenden der Menschen und ihren Verfehlungen Nutzen ziehen. Es ist sehr lobenswert und Anerkennung verdienend, dass die Kirche dieses alttestamentliche Buch als einführende Tage anordnete, für die man zwei Wochen vor der großen Fastenzeit (vor Ostern) fastet. Darin ist eine nutzbringende Geschichte, die sich auf die Buße und das Fasten bezieht. Die Kirche sah dies vor, damit wir die heiligen vierzig Tage mit einem reinen Herzen empfangen, das Gott sucht und folgt. Seltsamerweise fixieren sich viele der Betrachter dieses Buches auf die Leute Ninives und ihr Fasten, während sie den Seeleute, dem Propheten Jona und seinem Problem keine Beachtung schenken.

 

  Die problematische Handlung Jonas: Durch dieses Buch will Gott uns eine relevante Tatsache offenbaren; nämlich dass die Propheten dieselbe Natur wie wir haben. Sie sind sogar Menschen „unter Wehen“ wie wir (Jak.5:17). Das bedeutet, dass sie ihre Schwächen, Verfehlungen und Missetaten haben; und sie können fallen, wie wir es tun. Es handelt sich bloß bei ihnen um die Gnade Gottes, die in ihnen wirkte, und ihnen eine Macht verleiht. Jene macht ist nicht ihre, sondern stammt vom Heiligen Geist, der durch ihre Unzulänglichkeit wirkt, damit es deutlich wird, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt (2Kor.4:7). Der Prophet Jona war einer der Törichte und der Schwache in der Welt, die Gott erwählte, um die Weisen und die Starke zuschanden zu machen (1Kor.1:27). Jona hatte seine verwerfliche Handlungen, aber auch seine Tugenden. Gott erwählte ihn trotz seines fehlerhaften Denkens, und wirkte durch ihn, in ihm und mit ihm. Gott machte einen Propheten aus ihm, um uns dadurch klar zu machen, dass er mit uns wirkt und unsere Unvollkommenheit nutzt und ergänzt. 

 

  Jonas begangene Fehler:

{1} Übertretung und Gehorsamverweigerung: Er konnte Gott bei dieser Sache nicht gehorchen, obwohl er als Prophet nichts anderes zu tun hat, außer Menschen dazu zu führen, dass sie sich Gott unterordnen. Wenn Gott, der Höchste, der alleine ohne jegliche Befleckung ist, sich über die Missetäter erbarmt, um wie viel mehr sollen wir Mitgefühl mit ihnen haben, wo wir wie sie auch fallen! Aber hinter dieser Gehorsamverweigerung steckte eine andere Verfehlung, die in der tat noch heftiger und schwerwiegender ist; nämlich Hochmut. Sein Hochmut gestaltete sich durch seinen Stolz auf sein Wort, das er jemanden gab und keine Wirkung oder kein Gewicht hatte. Er war davon überzeugt, dass seine Warnung an die Stadt Ninive nichts an sich hatte, weil Gott gnädig, barmherzig und langmütig ist. Daher fiel es ihm schwer, dass seine drohenden Worte leer zu ihm zurückkehren, was seine Würde und sein Ansehen verletzt. Jona ging mit seiner Egozentrik so weit, sodass ihm seine Ehre viel wichtiger als die Rettung einer ganzen Stadt war.

{2} Die Flucht vor Gottes Antlitz trug in sich noch eine erheblichere Sünde; und zwar Unwissen und mangelhafter Glaube! Wohin wollte er vor Gott fliehen, wo Gott überall ist?!? „Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, wohin mich vor deinem Angesicht flüchten? Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort. Bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen. Nehme ich Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer, auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen“ (Ps.137:7-10). Jona handelte wie sein Urvater Adam, der in sich dachte, dass er sich vor Gottes Angesicht hinter einem Baum verstecken konnte. Merkwürdigerweise kostete ihn seine Sünde Geld und Mühe. Die Gnade hingegen erlangen wir umsonst! Als Jona das Fahrgeld bezahlte, verlor er sein Geld, seinen Gehorsam und seine innere Reinheit.

  Gott macht Gebrauch aus allen: Jona stellte sich gegen Gottes Befehl und floh in einem Schiff. Gott aber, der vom Fresser Speise und vom Kadaver Süßes kommen lässt (Richter 14:14), und der das Böse in das Gute zu verwandeln vermag, konnte sich durch den Widerstand Jonas verherrlichen. Wenn durch Jonas Gehorsam die Einwohner Ninives gerettet, werden die Seeleute und die Passagiere durch seinen Widerstand gerettet. Als ob Gott zu Jona sagen würde: „Denke nicht, dass du von mir geflohen wärst! Ich sende dich zu den Passagieren dieses Schiffes weder als Propheten noch als Missionar, sondern als einen Sünder und eine Ursache vielerlei Bedrängnisse und Not für die anderen. Auf diese Art und unter diesen Umständen werde ich ihnen durch dich mein Heil schenken“.

   Der Gehorsam der Kreaturen: Gott ließ Jona sich durch den Gehorsam der Leute Ninives und die Frömmigkeit der Seeleute schämen. Und zu guter letzt durch die ohne Logik und Verstand Geschöpfe! „Der Herr ließ auf dem Meer einen heftigen Wind losbrechen. Es entstand ein gewaltiger Seesturm, und das Schiff drohte auseinander zu brechen.“ ~ „Als die Sonne auf ging, schickte Gott einen heißen Ostwind. Die Sonne stach Jona auf den Kopf, so dass er fast ohnmächtig wurde. Da wünschte er sich den Tod“ (1:4 – 4:8). Der Wind erfühlte als Gottes Bote seinen Auftrag, und führte die Menschen zum Gebet, was der Prophet nicht tat, so dass jeder zu seinem Gott um Hilfe schrie. Der Spruch Davids trifft genau darauf zu: „Sturmwind, der sein Wort vollzieht:“ (Ps.148:8). Ist es nicht fabelhaft, dass der Wind fast dasselbe Attribut wie die Engel erlangt: „Seine Engel, die seine Befehle vollstrecken, seinen Worten gehorsam“ (Ps.103:20). Ebenso ließ Gott seinen Willen durch einen großen Fisch geschehen. „Der Herr aber schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang.“ ~ „Da befahl der Herr dem Fisch, Jona ans Land zu speien“ (2:1 – 2:11). So hatte der Wal die göttlichen Befehle äußerst behutsam und genau nach Gottes Willen durchgeführt. Dasselbe geschah mit der Sonne, dem Wurm und dem Rizinusstrauch (4:6-8). In diesem Buch waren alle Geschöpfe gehorsam gegenüber Gott. Der einzige, der ihm widersetzte, war der denkende Mensch, dem Gott den freien Willen gönnte, um ihm damit widersprechen zu können!

   Heidnische Seeleute; die frommer als der Prophet selbst waren: Was war das eigentlich für ein Schiff, in das der Jona hinein stieg? Sie waren ja Heiden, aber trotzdem überragten sie durch ihre Tugenden den großen Propheten. Durch sie erfüllte sich der Spruch des Herrn: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören. Dann wird es nur eine Herde und einen Hirten geben“ (Joh.10:16). Die aller ersten nennenswerten Tugend dieser Seeleute war das Beten. Sie wandten sich unmittelbar an Gott, bevor sie nach der menschlichen Weisheit handelten. Erstmal zu Gott um Hilfe bitten, dann die Ladung ins Meer werfen, damit das Schiff leichter wurde. Als der Kapitän zu Jona ging und ihn weckte, bat er ihn nicht um Hilfe, sondern sagte ihm: „Ruf deinen Gott an“. Verwunderlich ist Gott, dass er einen seiner Propheten zuschanden durch einen heidnischen Mann macht.

Was für eine Schmach?!? Nur damit er seine Winzigkeit und die Tiefe seiner Sünde erkennt. Noch rechnete man jenen Seeleute ihre mäßige Haltung betreffend Glaube. Sie verlangten von Jona nicht so fanatisch: „Steh auf und bete zu unserem Gott“. Unparteiisch sagten sie zu ihm: „Steh auf, rufe deinen Gott an. Vielleicht denkt dieser Gott an uns, so dass wir nicht untergehen.“ Dies beweist, dass sie Gott suchten, und dass sie nicht wussten, wo und wer er sei! Sie waren einfache und gläubige Menschen. Denn sie begnügten sich nicht mit den Gebeten, sondern warfen das Los. Sie glaubten daran, dass Gott ihnen die Wahrheit aufdecken wird; und das geschah! Sie erfuhren, wer an diesem Unheil schuld ist. Durch ihre Frömmigkeit verabscheuten sie die Scheußlichkeit der Sünde und spürten, dass sie alle tückischen Miseren verursacht. Außerdem waren sie weise und vernünftig, da sie keinen rasch und unüberlegt vorurteilen. Sie waren sachlich und präzise, um sich die Gewissensbisse zu ersparen.

   Im Bauch des Wals: Jona wurde ins Meer geworfen, aber nicht in den Tod! Der göttliche Will blieb an ihm haften und Gott hatte wie nach wie vor mit ihm vor, ihn zu den Einwohnern Ninives zu schicken, um sie zu erretten. Tatsächlich ist Gott erstaunlich und unerforscht bei seiner Langmut! Er erzürnt sich nicht und lässt diejenigen nicht im Stich, die ihm dienten; trotz ihres verwerflichen Verhaltens. Der Wal war nicht damit bemächtigt worden, Jona zu fressen. Er hat ihn lediglich verschlingt, um ihn in sich aufzubewahren. Jener Wal war eine entgeltlose Fähre, durch die er eine nahe Ortschaft erreicht, die nicht weit von seinem Ziel „Ninive“ war. Wie Jona im Inneren des Wals unversehrt drei Tage blieb, weilte auch Christus drei Tag im Grabe, ohne dass der Tod macht über ihn haben konnte. Genau so, gesegnete Geschwister, sollten Sie denken und handeln, wenn Gott ihnen einen Wal schickt, der Sie verschlingt.

 Haben Sie keine Angst und werden Sie nicht betrübt, sondern preisen Sie den Herrn in dem Wal, wie Jona es Tat.

 

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