kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Christen in Not 17. Dezember 2009

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 15:25

Weltweiter Hass auf Christen

Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ macht vor Weihnachten auf die unverändert schwierige Lage der Christen in vielen Ländern aufmerksam. Nach wie vor werden Christen weltweit massiv an der Ausübung ihres Glaubens gehindert: Christen demonstrieren gegen Gewaltakte und den „Terror der Straße“. Wo es auch im Jahr 2009 wieder Christenverfolgungen und Einschränkungen der Religionsfreiheit gegeben hat, schildert der Menschenrechtsexperte des Hilfswerks, Berthold Pelster. Das Gespräch führte Volker Niggewöhner.

+ Weltweit sind etwa 75 bis 80 Prozent aller religiös Verfolgten Christen. Wie kommt das?    * Das liegt zum einen daran, dass die Christen mit etwa zwei Milliarden Gläubigen die größte Weltreligion bilden – und das Christentum wächst vor allem in Ländern der Dritten Welt. Dadurch entstehen dort häufig Konkurrenzsituationen, in denen andere religiöse oder auch politische Gruppierungen versuchen, dieses Wachstum mit Gewalt einzuschränken.

+ Wenn Sie die Christenverfolgungen heute mit denen des vergangenen Jahrhunderts vergleichen, was stellen Sie dann fest? * Es sind zwei Tendenzen, die besonders deutlich werden. Zum einen, dass die Unterdrückung von Christen aufgrund atheistischer Ideologien zurückgeht. Das liegt vor allem am Zusammenbruch des Kommunismus weltweit und an der Öffnung der verbliebenen kommunistischen Systeme gegenüber dem Westen, wie es beispielsweise in China der Fall ist. Das Land hat mit immensen gesellschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen und braucht darum alle verfügbaren gesellschaftlichen Gruppen, um diese Probleme zu lösen. Eine ähnliche Situation gibt es in Kuba: Auch dort sind die gesellschaftlichen Probleme sehr groß und auch hier versuchen die Herrschenden, sich dem Christentum zu öffnen. Zugenommen hat aber leider die Verfolgung von Christen aus religiösen Gründen. Während der Kommunismus zu allen Religionen „Nein“ gesagt hat, gibt es heute Ideologien, die zwar „Ja“ zur Religion sagen, aber eben nur zu einer einzigen. Die krassesten Ausprägungen solcher Ideologien finden wir in Saudi-Arabien und im Iran. Eine solche Unterdrückung der Religionsfreiheit kommt aber nicht nur n muslimischen Ländern vor, sondern zum Beispiel auch in Indien, wo in manchen Bundesstaaten radikale Hindus Gesetze durchgesetzt haben, die Hindus einen Religionswechsel verbieten.

+ Sie haben nun bereits einige Länder angesprochen, in denen es auch heute noch Einschränkungen für Christen bis hin zur Verfolgung gibt. Wo sahen Sie im Jahr 2009 die Brennpunkte der Christenverfolgung? * Da muss ich immer noch an allererster Stelle den Irak nennen. Außerdem bekamen wir in diesem Jahr verstärkt Meldungen über Gewalt gegen Christen in Pakistan, Ägypten und Nigeria. Auf einem weitaus weniger gewalttätigen Niveau macht uns aber auch die Situation in Lateinamerika Sorgen, wo neosozialistische Regierungen vor allem gegen die katholische Kirche vorgehen. All das sind aber nur einige Brennpunkte unter vielen.

+ Gehen wir diese Brennpunkte nacheinander durch – Wie gestaltete sich die Lage für die Christen im Irak in diesem Jahr? * Die Kirche im Irak ist eine Märtyrerkirche. Die Christen sind im Irak zwischen alle Kriegsparteien geraten und werden von den meisten Gruppierungen im Land als Verbündete der „westlichen Eroberer“ angesehen, obwohl sie zu den Ureinwohnern des Landes gehören. Sie werden bedroht von sunnitischen wie schiitischen Extremisten und sind als ungeschützte Minderheit auch ein leichtes Ziel für kriminelle Banden. Der Staat ist nicht in der Lage, die Christen zu schützen, die Christen selbst haben lange auf jede Form der Gewalt verzichtet. Nun erreichen uns Meldungen, dass in manchen Regionen auch Christen Milizen zum Selbstschutz aufstellen. Generell kann man sagen, dass alle Christen, die das Geld zur Flucht hatten, das Land bereits verlassen haben. Wer noch im Irak lebt, tut das in Angst. Allein in diesem Jahr sind bei Anschlägen und Überfällen auf Christen wieder Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Entführungen mit hohen Lösegeldforderungen sind an der Tagesordnung. Den schwersten Anschlag gegen Christen in diesem Jahr gab es im Juli in Bagdad, als an einem Sonntagabend Bombenattentate auf sieben Kirchen verübt wurden. Dabei wurden vier Menschen getötet und über vierzig verletzt. Zu solchen Attentaten kommt es immer wieder, und die Bischöfe im Land berichten uns leider, dass die Christen inzwischen jede Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lage verloren haben. Die Zukunft des Christentums im Irak ist massiv bedroht. Von den ehemals weit über eine Million Christen haben in den letzten sieben Jahren mehr als 750 000 das Land verlassen – und die meisten, die geblieben sind, wollen ebenfalls nur noch weg.

+ Pakistan ist eine islamische Republik, in der etwa 2,4 Millionen Christen leben. Das Land war in diesem Jahr vor allem im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg in den Schlagzeilen. Hatte der Krieg auch Auswirkungen auf die Religionsfreiheit im Land? * Das kann man insofern sagen, als nationale und gesellschaftliche Konflikte meist dazu beitragen, die Menschenrechtssituation in den betroffenen Regionen zu verschlechtern. Nach der Offensive der pakistanischen Regierung gegen die Taliban im Swat-Tal im Mai waren etwa 2,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Solche Flüchtlingsströme führen zu beengtem Wohnraum, Nahrungsmittelknappheit und sozialen Spannungen, die vorhandene unterschwellige Konflikte verstärken. Bei den Übergriffen, die es in diesem Jahr gegen Christen in Pakistan gab, muss man zwei Dimensionen unterscheiden. Zum einen den Terror der radikalen Islamisten, der sich gegen alle Andersgläubigen und auch den pakistanischen Staat richtet. Beim schwersten Bombenattentat in diesem Jahr kamen in diesem Zusammenhang Ende Mai in Lahore auch mehrere Christen ums Leben, und die Kathedrale der Stadt wurde beschädigt. Die alltäglichere Gewalt in Pakistan hat aber eine andere Ursache, nämlich das sogenannte Anti-Blasphemie-Gesetz. Es wurde zwischen 1980 und 1986 als Bestandteil des Strafrechts in Pakistan eingeführt und verhängt drastische Gefängnisstrafen für jegliche Beleidigung des Korans oder des islamischen Propheten Mohammed. Dieses Anti-Blasphemie-Gesetz wird immer wieder missbraucht, um mit seiner Hilfe Angehörige religiöser Minderheiten anzuklagen und sie so ins Gefängnis zu bringen. Dabei genügt meist schon eine unbewiesene Behauptung für die Verhaftung missliebiger Personen. Wir haben in diesem Jahr von drei Fällen gehört, in denen Muslime von ihren Imamen dazu angestachelt wurden, christliche Wohnviertel zu verwüsten, weil die Bewohner dort angeblich den Koran geschändet hätten. Die wütenden Mobs haben in diesem Jahr mindestens zehn Christen getötet, in manchen Städten gingen ganze Straßenzüge in Flammen auf. Besonders kritisch sehen dabei die pakistanischen Bischöfe, dass die Polizei diese Mobs gewähren lässt und hinterher eher die Christen verhaftet. Außerdem wird kritisiert, dass von den hohen muslimischen Vertretern im Land nur Beileidsbekundungen nach solchen Ausschreitungen zu hören sind, aber nie ein Versuch unternommen wird, um solche Angriffe zu verhindern.

* Schwere Übergriffe gegen Christen gibt es auch in Ägypten. Dort lebt mit den Kopten die größte christliche Minderheit im Nahen Osten. Welche Schwierigkeiten haben diese Menschen in ihrer Heimat? * In Ägypten gibt es seit langen Jahren eine starke islamische Erneuerungsbewegung. Die sogenannte „Muslimbruderschaft“ ist eine religiös und politisch ambitionierte islamistische Bewegung, die das Ziel verfolgt, Ägypten zu einem islamischen Gottesstaat zu machen. Die „Muslimbrüder“ sind inzwischen auch, obwohl die Partei staatlich verboten ist, mit parteilosen Abgeordneten im ägyptischen Parlament vertreten. Der wachsende Einfluss dieser Islamisten führt dazu, dass die große christliche Minderheit im Land zurückgedrängt wird. In diesem Jahr mussten wir mehrere Übergriffe gegen Klöster und Einzelpersonen registrieren. Es gab Brandanschläge und kaltblütige religiös motivierte Morde. Ein Übertritt vom Islam zum Christentum wird in Ägypten gesellschaftlich nicht geduldet, ein Konvertit muss ständig um sein Leben fürchten und der Staat ist nicht in der Lage, ihn zu schützen. Viele Unruhen gab es in diesem Jahr, bei denen die Kopten terrorisiert wurden. Jedes Mal versammelt sich ein Mob, der einfach alles zerstört, was den Kopten gehört.

+ Ein weiterer Krisenherd in diesem Jahr war Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Dort bilden Christen und Muslime etwa gleich große Bevölkerungsgruppen. Wie war die Lage dort 2009? * Ende Juli gab es heftige Unruhen im Norden Nigerias, ausgehend von der Großstadt Maiduguri, in der sich ein islamistischer Sektenführer verschanzt hatte. Seine Sekte heißt „Boko Haram – westliche Bildung ist Sünde“ und war ungewöhnlich radikal und brutal. Ihr Ziel war ein islamistischer Gottesstaat. Die bereits geschehene Einführung der Scharia in zwölf nördlichen Bundesstaaten Nigerias ging ihr nicht weit genug. Bei den von dieser Sekte ausgelösten Unruhen sind über 800 Menschen getötet worden und nur ein massiver Einsatz der Armee hat verhindert, dass sie ihre Macht festigen konnte. Eine „Talibanisierung“ Nigerias wurde durch den Staat also mit Gewalt abgewendet, aber die Lage ist deshalb noch längst nicht geklärt. Denn der Grund, dass solche Fanatiker überhaupt Zulauf haben, liegt in der katastrophalen sozialen Lage der Menschen im Nordosten Nigerias. Dort leben viele Flüchtlinge aus den Nachbarländern unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne Zukunftsperspektive. Am Beispiel Nigeria haben wir in diesem Jahr erneut festgestellt, dass Übergriffe gegen Christen eine Art „Frühwarnsystem“ darstellen, das Radikalisierungstendenzen in Gesellschaften anzeigt. Denn bereits im April hatte es im Norden Nigerias schwere Übergriffe von Islamisten gegen Christen gegeben. Am Ostersonntag wurden drei Kirchen niedergebrannt und über dreißig Menschen verletzt. Solche Übergriffe gegen Christen waren in den vergangenen Jahren nichts Ungewöhnliches – doch in diesem Jahr bekam die Gewalt eine neue Qualität, indem sie sich gegen „alles Westliche“ und auch gegen den gemäßigten Islam ausdehnte. Man sieht also, wohin es führt, wenn man die Verletzung von grundlegenden Menschenrechten wie der Religionsfreiheit zu lange duldet.

+ Im Jahr 2008 waren Christen auch in Indien massiv angegriffen worden – ist die Lage dort in diesem Jahr besser geworden? * Zumindest insofern, als es in diesem Jahr keine Gewaltexzesse wie 2008 gab, als hinduistische Fundamentalisten im Bundesstaat Orissa im Nordosten des Landes etwa dreihundert Christendörfer verwüstet und mehr als hundert Christen getötet haben. Die Nachwirkungen der Gewalt sind aber immer noch zu spüren. Von den 50 000 Flüchtlingen konnten viele noch nicht in ihre Dörfer zurückkehren und leben teilweise in den Slums der Provinzhauptstadt Bhubaneswar. Besonders deutlich wurde die nach wie vor christenfeindliche Atmosphäre vor den indischen Wahlen im April. Damals haben Anhänger der nationalistischen Hindu-Partei BJP versucht, Christen am Wählen zu hindern. Es gab Todesdrohungen und in manchen Regionen wurden sogar Straßensperren errichtet, um die Christen vom Wählen abzuhalten. Bei der Wahl selbst waren die Fundamentalisten dann allerdings die großen Verlierer und das macht den Christen Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft.

+ Gehen wir zum Schluss noch auf eine Region ein, aus der Meldungen über bedrängte Christen auf den ersten Blick verwundern: Lateinamerika. Sind die Länder dort denn nicht mehrheitlich christlich? * Das ist in der Tat ein in Europa vorherrschender Irrtum. In Wahrheit gibt es sehr mächtige Bewegungen, die auf eine Säkularisierung Lateinamerikas hinarbeiten. In Uruguay wird die Kirche z. B. durch rechtliche und gesellschaftliche Einschränkungen stark an den Rand gedrängt. Andere Länder folgen diesem Beispiel – vor allem jene, die neosozialistisch regiert werden, wie z. B. Venezuela oder Bolivien. Eine Streitfrage ist der Religionsunterricht an staatlichen Schulen, der manchen Regierungen ein Dorn im Auge ist. Andernorts muss die Kirche Enteignungen hinnehmen und religiös genutzte Gebäude werden ohne Vorwarnung abgerissen. Das hat den Grund, dass der Staat die Kirche aus ihrem Engagement für die Ärmsten drängen und kirchliche Sozialeinrichtungen gegen staatliche austauschen will. All das ist natürlich eine weitaus weniger bedrohliche Form von „Christenverfolgung“ als zum Beispiel im Irak. Dennoch sind auch das gesellschaftliche Entwicklungen, die man im Auge behalten muss. Denn wie schon erwähnt sind Einschränkungen in der Religionsfreiheit oft die ersten Anzeichen von massiven gesellschaftlichen Problemen.

 

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