kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Zeichen religiöser Säuberungen im islamistisch dominierten Ägypten 22. Dezember 2012

Filed under: Koptenverfolgung,Moslembrüder — Knecht Christi @ 19:57

 

„Würde, Freiheit, Gerechtigkeit“ – von den Schlagworten der Revolution ist im heutigen Ägypten nicht mehr viel übrig geblieben. Die ägyptische Soziologin und langjährige Journalistin Dr. Mariz Tadros erläuterte gestern auf Einladung von Christian Solidarity International in Zürich, was die gewählte mehrheitlich islamistische Regierung für religiöse Minderheiten bedeutet.

 

 

 

 

 „Die Gesellschaft wird zunehmend intolerant”, sagte Dr. Mariz Tadros. Religiöse Gewalt gegen Christen habe markant zugenommen. Mit Blick auf die Vorfälle im Dorf Dahshur beobachtet Tadros in der Öffentlichkeit eine wachsende Akzeptanz gegenüber der Forderung, dass die ägyptische Gesellschaft von Christen “zu säubern” sei – vor der Revolution sei dieser Begriff nicht verwendet worden. Heute würden selbst normale Alltagskonflikte religiös aufgeladen. Seien sich zum Beispiel auf einem Markt ein christlicher Käufer und ein muslimischer Verkäufer uneinig, heisse es plötzlich, der Christ achte den Muslim nicht. Es komme zunehmend zu Anklagen wegen angeblicher Verleumdung des Islams. Ein blosses Gerücht reiche aus, um Christen ins Gefängnis zu bringen. Islamistische Diktaturdroht: Tadros warnte, dass sich Ägypten “auf dem Weg zu einer islamistischen Diktatur” befinde. Dass Präsident Mohammed Mursi seine Macht kürzlich bedeutend ausbauen wollte, sei ein deutliches Zeichen dieser Entwicklung. „Die Muslimbrüder rechtfertigen ihre autoritäre Herrschaft damit, dass sie vom Volk gewählt wurden“, erklärte Tadros. Sie habe unter Mubaraks Herrschaft zehn Jahre als Journalistin gearbeitet und wisse, was das heisse. Heute höre sie aber viele sagen, sie erlebten schlimmere Tage als die schlimmsten Tage unter Mubarak.

 

 

 

 

Weitere Infos – Bücher von Dr. Mariz Tadros:

The Muslim Brotherhood in Contemporary Egypt: Democracy Redefined or Confined? (2012)

Copts at the Crossroads: The Challenges of Building an Inclusive Democracy in Contemporary Egypt (erscheint 2013)
Dr. Mariz Tadros’ Vortrag war Teil der Diskussionsreihe “The Future of Religious Minorities in the Middle East” von Christian Solidarity International.

 http://www.middle-east-minorities.com 
 Referat auf Youtube 
 Interview im Tages-Anzeiger 

Weitere Auskünfte
Mediensprecher CSI-Schweiz
Adrian Hartmann
 adrian.hartmann@csi-schweiz.ch 
044 982 33 74 | 078 836 07 47

 

 

 

 

 

 

Eine Schande für unsere Gesellschaft

 

Nach dem Abschluss ihres Studiums floh die koptische Christin Nadia Ghaly 1974 von Ägypten nach Australien. Sie spricht öffentlich über das tabuisierte Verschwinden junger Koptinnen. Nadia Ghaly ist Koautorin zweier CSI-Berichte.

 

Sie sind Koautorin des CSI-Berichts «Das Verschwinden, die Zwangsverheiratung und die Zwangskonversion von jungen koptischen Christinnen». Manche sagen, das seien Romeo-und-Julia-Geschichten.

Keineswegs! Es kommt zwar vor, dass eine junge Koptin freiwillig einen Muslim heiratet, aber das ist nicht die Regel. Ich höre sehr schlimme Geschichten, immer wieder auch von Betroffenen selber, die flüchten konnten. Manche werden in Beziehungen gelockt, andere werden entführt, vergewaltigt und dann gezwungen, zu heiraten und sich zum Islam zu bekehren. Oft werden sie vollständig von der Aussenwelt abgeschottet und dürfen das Haus nicht verlassen.

 

Wann haben Sie zum ersten Mal erfahren, dass Koptinnen verschwinden?

Ich habe schon als Jugendliche davon gehört, aber es war kein gros­ses Thema. In den 70er Jahren verschwand meine Cousine. Sie war sehr schön, war schon verlobt und half in der Kirche als Sonntagsschullehrerin mit. – Ich vermute, dass sie vergewaltigt wurde und deshalb geheiratet hat. Die Eltern schämten sich so sehr, dass sie vorgaben, ihre Tochter sei gestorben. Nur die engsten Verwandten kannten die Wahrheit.

 

Dann war das Verschwinden Ihrer Cousine sozusagen das «Schlüsselerlebnis», das aus Ihnen eine Menschenrechtlerin machte?

Nein, mein Schlüsselerlebnis kam später. 1992 hörte ich von einem Massaker gegen Kopten, nur zwei Autostunden von meiner Heimatstadt entfernt. 13 Christen starben. Das hat mich so empört und berührt, dass ich mich für die Rechte der Kopten einzusetzen begann. Ich bringe jetzt vor allem die Schicksale von verschwundenen Koptinnen an die Öffentlichkeit.

 

In Lausanne haben Sie diese Fälle gar als «ein sehr gut organisiertes Verbrechen mit dem Ziel, die Kopten von dieser Welt verschwinden zu lassen» bezeichnet.

Ja, es steckt wirklich System dahinter. Ein Rechtsanwalt erzählte uns von einem Muslim, der fünf Koptinnen geheiratet hat und alle zwang, zum Islam zu konvertieren! In mehreren Fällen wird berichtet, dass ein Mann auch materiell profitiert, wenn er eine Koptin heiratet und zum Islam bekehrt. Hinter der Zwangsverheiratung und Zwangskonversion steckt die Idee, die koptischen Mütter zu dezimieren und die Zahl der Muslime zu steigern. Islamistische Kreise möchten, dass es überhaupt keine Kopten mehr gibt in Ägypten.

Wer wehrt sich gegen das Verschwinden von Koptinnen?

Leider wird vor Ort nicht viel getan. Das Thema ist sehr delikat. Der koptisch-orthodoxen Kirche fehlt bisher ein progressiver Weg im Umgang mit den Koptinnen, die fliehen konnten. Sie müssten rehabilitiert werden, stattdessen werden sie häufig noch bestraft.  Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer. Während sich koptische Geistliche in der Öffentlichkeit normalerweise kaum zum Verschwinden der Koptinnen zu äussern wagen, wurde der neue koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. kurz nach seinem Amtsantritt im November 2012 sehr deutlich: «Wir verlangen die Rückkehr der Mädchen, weil [deren Verschwinden] eine Schande ist für unsere Gesellschaft und Ägyptens Ansehen im Ausland beschädigt».

Wie können wir im Westen helfen?

Wir müssen noch breiter informieren und international Druck ausüben. Die ägyptische Regierung soll diese Fälle konsequenter untersuchen und die Täter bestrafen. {Quelle: www.csi-schweiz.ch – von Adrian Hartmann}

 

 

Die koptische Menschenrechtlerin Nadia Ghaly (*1954) wuchs im konservativen Süden Ägyptens auf, studierte Agrarwissenschaft. Ab anfangs 70er Jahre spürte sie den zunehmenden Einfluss der Islamisten. Weil sie als Studentin politisch aktiv und erst noch Frau und Christin war, wurde sie bedroht. Deshalb flüchtete sie 1974 nach Australien, wo bereits ihr Bruder lebte. Dort arbeitet Nadia Ghaly heute als Universitätsbibliothekarin. Daneben engagiert sie sich politisch und als Menschenrechtsaktivistin. Sie sprach Mitte November am Offenen Tag von CSI.

 

 

 

Abstimmung wird von Wahlverstößen überschattet

 

Auch die zweite Runde des ägyptischen Verfassungsreferendums geht nicht ohne Zwischenfälle über die Bühne. Aktivisten berichten von Wahlverstößen.

Derweil ist Mursis Vize zurückgetreten.

 

Chaotische Zustände und Wahlrechtsverstöße haben in Ägypten auch die zweite und letzte Runde der Volksabstimmung über eine neue Verfassung geprägt. Wahllokale öffneten zum Teil später als vorgesehen, wie Wahlbeobachter und ägyptische Medien berichteten. Die Wahllokale bleiben vier Stunden länger geöffnet, bis 23 Uhr Ortszeit. Wähler seien auch diesmal wieder von Islamisten beeinflusst worden. Unterdessen trat der ägyptische Vizepräsident Mahmud Mekki zurück. Die politische Arbeit passe nicht zu seiner Ausbildung als Richter, erklärte Mekki am Samstag. Präsident Mohammed Mursi hatte den angesehenen Richter im August zu seinem Stellvertreter ernannt. Auch zur Wahlbeteiligung gab es widersprüchliche Berichte. Während im Staatsfernsehen lange Warteschlangen zu sehen waren, berichteten Beobachter von einer geringen Beteiligung gerade in den ländlichen Gebieten. Der Streit um den von Muslimbrüdern und Salafisten erarbeiteten Verfassungsentwurf hat Ägypten tief gespalten. Die Opposition sieht darin den ersten Schritt in Richtung Gottesstaat. Viele Anhänger von Präsident Mohammed Mursi wünschen sich genau das. Der Streit um die erste Verfassung nach dem Sturz des Langzeitpräsidenten Husni Mubarak hat in dem bevölkerungsreichsten arabischen Land immer wieder zu Massenprotesten und tödlichen Krawallen geführt.

 

 

Zwischenfälle bei der Abstimmung

 

In 10 der 27 ägyptischen Provinzen war bereits vor einer Woche abgestimmt worden. Nun sind die rund 25 Millionen Wähler in den restlichen Provinzen an der Reihe – noch bis zum späten Abend sollten sie wählen können. Nach inoffiziellen Ergebnissen stimmten in der ersten Runde 56 Prozent für die Verfassung, bei einer Wahlbeteiligung von rund 30 Prozent. Die Opposition beklagte später, die Muslimbrüder hätten Wahlzettel gefälscht und Wähler bedrängt. Die revolutionäre Jugendbewegung 6. April, die eigene Beobachter in verschiedene Städte entsandt hatte, beklagte, dass fünf ihrer Mitglieder festgenommen worden seien. In Giseh auf der anderen Nilseite von Kairo, seien Aktivisten abgeführt worden, weil sie die vorzeitige Schließung eines Wahllokals angeprangert hätten. Die Gruppe kritisierte, dass in mehreren Regionen Islamisten die Wähler genötigt hätten, mit Ja zu stimmen. In der nördlichen Stadt Damietta sei dafür sogar Geld geboten worden. Die ägyptische Zeitung “Al-Ahram” berichtete von ähnlichen Problemen. So entließ in der Provinz Menufija ein Richter seine Wahlhelfer, weil sie versuchten, Wähler zum Ja zu überreden. Rund 30 Prozent der Ägypter sind Analphabeten, die bei der Abstimmung auf Hilfe angewiesen sind. In einigen Wahllokalen sei die Stimmabgabe extrem verzögert worden, da nicht genügend Richter anwesend waren. Offizielle Ergebnisse sollen frühestens am Sonntag bekanntgegeben werden. Wird der Verfassungsentwurf angenommen, muss innerhalb von zwei Monaten ein neues Parlament gewählt werden. In der zweiten Runde werden mehr Ja-Stimmen als beim Auftakt erwartet, da vor allem in konservativen ländlichen Provinzen gewählt wird. {Quelle: www.stern.de}

 

3 Responses to “Zeichen religiöser Säuberungen im islamistisch dominierten Ägypten”

  1. Bernhardine Says:

    OT

    Barack Hussein Obama Juniors jahrelange Heimat und die Heimat seines Stiefvaters (Es wird sogar gemunkelt: Adoptivvater) Lolo Soetero, INDONESIEN:

    “”23. Dezember 2012, 09:30
    Indonesien: Muslime sollen nicht ‘Frohe Weihnachten’ wünschen

    Jakarta (kath.net/KNA) Keine «Frohen Weihnachten» in Indonesien: Das höchste islamische Gremium des Landes hat die Muslime aufgefordert, nicht an Weihnachtsveranstaltungen teilzunehmen und Christen auch nicht zu beglückwünschen…””

    http://kath.net/detail.php?id=39434

    • carma Says:

      die indonesier betrachten ja obama mit großem stolz als einen der ihren – und vor allem als selbstbewußt als ersten moslem, der es ins weiße haus geschafft hat!!
      auch seine direkten verwandten in kenia sind konservative moslems, für die seine spirituelle ausrichtung selbstverständlich nur eine islamische sein kann…
      wissen das eigentlich die minister und nato-chefs der eu, wo obamas “sympathien” naturgemäß liegen – und wird seine nahost-strategie von der eu-außenpolitik entsprechend kritisch beobachtet??


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