kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Man, diese Drogen! Ist der Karnaval nicht vorbei? 4. März 2012

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 20:37

Ägypten nach der Revolution

Vorwärts Richtung Freiheitmit den Islamisten

 

 

Die Euphorie der Tahrir-Revolution ist verklungen – wird Ägypten unter den Muslimbrüdern nun zum intoleranten Gottesstaat? Das Klischee ist im Westen weit verbreitet, aber es ist falsch.

Eine pragmatische, islamistische Regierung ist vielleicht das Beste,

was das Land jetzt erwarten kann.
 

“Na gut, dann reden wir eben über Brot,” sagt der Abgeordnete Gamal al-Ashri zu den Wählern, die sich um ihn drängen. Es ist spät am Abend. Vor dem schäbigen Wohnblock, in dem die Versammlung stattfindet, am Rande einer staubigen Straße voller Schlaglöcher, durchsucht eine Frau einen Berg von stinkendem Müll. Sie zieht etwas hervor und stopft es schnell in einen Plastikbeutel. Pferdekarren, zerbeulte alte weiße VW-Busse, schwarze Tuk-Tuks und Fußgänger kämpfen um Platz in diesem hupenden Chaos einer ägyptischen Straße. Wir befinden uns in einem armen Viertel von Giseh, nur ein paar Kilometer von den Pyramiden entfernt – aber weit weg von jedem Touristenpfad. Das Problem mit dem Brot ist, dass es von der billigen, staatlich subventionierten Sorte zu wenig gibt. In der Nähe des Wohnblocks verkauft eine hell erleuchtete private Bäckerei duftende frische Laibe, aber die können sich die Armen nicht leisten. Der Abgeordnete erklärt den Wahnsinn des korrupten Staatsapparats, der Ägypten so weit heruntergewirtschaftet hat, dass es von importiertem Weizen abhängig ist. Danach werden Fragen gestellt zum Müll auf den Straßen, zu Verbrechen und zum öffentlichen Nahverkehr.  Dann steht ein Mann mittleren Alters auf, sorgfältig gekleidet in Jackett, schwarzem Hemd und Krawatte. Er fragt: “Aber warum haben wir Frauen im Parlament?” Das sei doch ganz klar falsch. Und er fügt hinzu: “Die Muslimbrüder sind an Frauen interessiert. Ich nicht. Ich möchte, dass die Frauen in den Haushalt zurückkehren“.

 

Der Abgeordnete, an den die Frage geht, gehört zur “Partei für Freiheit und Gerechtigkeit”, dem politischen Arm der Muslimbrüder. Sie haben die – relativ freien – Parlamentswahlen gewonnen und werden höchstwahrscheinlich in der nächsten Regierung das Sagen haben. Ich warte gespannt auf die Antwort. (So weit ich es beurteilen kann, hat der Abgeordnete nicht gemerkt, dass sich ein Ausländer ganz hinten im Raum befindet.) “Nein”, sagt Ashri. “Wir wollen Freiheit für alle. Ägypten kann nur gemeinsam wieder aufgebaut werden. Frauen können uns helfen, viele Probleme anzugehen, Drogen beispielsweise, Erziehung”. Dann erhebt sich in dem vor allem mit Männern gefüllten Raum eine wütende Frau und fragt – nicht nach der Stellung der Frauen. Sondern nach einem anderen Abgeordneten, der Mohamed ElBaradei, einst als Präsidentschaftskandidat im Gespräch, als ausländischen Agenten denunziert hatte.

 

Die größten Feinde der Freiheit sind nicht die Islamisten

 

Willkommen in der harten und grausamen Realität von Ägypten. Es gibt zwei westliche Klischees von der ägyptischen Revolution und dem Arabischen Frühling: Auf der einen Seite die schönen jungen Revolutionärinnen, die Facebook und Twitter nutzen und in perfektem Englisch ihre tadellosen weltlichen, liberalen Ziele erklären. Hurra, hurra! Auf der anderen: dunkelhäutige, fusselbärtige Islamisten, die den kurzen Moment einer Semi-Demokratie ausnutzen, um ihre gewalttätige, gottesstaatliche, frauenfeindliche Unterdrückung durchzusetzen. Buh, buh! Arabischer Frühling, Arabischer Herbst. Wie so oft steckt auch hier ein Körnchen Wahrheit in beiden Klischees. Es gibt sie, die phantastischen, mutigen, aufgeweckten jungen Frauen und Männer, die sich behauptet haben gegen extreme Einschüchterungsversuche (von Polizeikugeln bis hin zu sexuellen Übergriffen), und die unsere totale und großzügige Unterstützung verdienen. Und es gibt tatsächlich einige islamistische Monster. Aber die beiden Klischees sparen zwei viel größere und wichtigere Wahrheiten aus.

 

Erstens: Das größte direkte Hindernis für Freiheit im heutigen Ägypten, die Kraft, die aktiv versucht, die Revolution zurückzurollen, ist nicht die Muslimbruderschaft. Es ist der vom Militär dominierte Sicherheitsapparat, der seit 60 Jahren herrscht und den nun der Militärrat repräsentiert. Das Militär hat vor kurzem zwei hässliche Wälle aus Betonblöcken aufgetürmt, die mich unweigerlich an die Bilder der Berliner Mauer erinnern, um den Zugang zum Tahrir-Platz und den nahegelegenen Regierungsbüros zu blockieren. Die Streitkräfte haben Legionen von Spionen, Schlägern und Folterknechten befehligt, die jahrzehntelang Säkulare, Salafisten, koptische Christen und ganz normale Menschen terrorisiert haben. In letzter Zeit haben sie Blogger eingesperrt, nur weil die gewagt hatten, sie zu kritisieren. Sie kontrollieren weite Teile der Wirtschaft, Schätzungen schwanken zwischen 10 und 40 Prozent. So viel jedenfalls, dass sie, wenn die Reserven der Zentralbank erschöpft sind, mal eben eine Milliarde Dollar überweisen können – “als hätten sie die unter dem Sofa gefunden”, wie ein Beobachter kommentierte. Der Militärrat ringt mit dem gewählten Parlament, um die Kontrolle sowohl über das Innen- als auch über das Verteidigungsministerium zu behalten und den Verteidigungshaushalt jeder Nachprüfung zu entziehen. Obwohl die Streitkräfte über 1,3 Milliarden Dollar Militärhilfe aus Washington erhielten, haben sie sich die erstaunliche Frechheit herausgenommen, 43 Aktivisten amerikanischer NGOs vor Gericht gestellt, darunter den Sohn des US-Verkehrsministers. Kurz, die Militärs sind immer noch das größte Hindernis auf Ägyptens langem Weg in die Freiheit.

 

Eine Konterrevolution wie in Iran ist kaum zu erwarten

 

Zweitens: Wenn es stimmt, dass die ägyptische Wahl teilweise frei und teilweise fair war, dann haben sie die Islamisten für sich entschieden. Ob man sie nun liebt oder hasst, es waren sie – und nicht die urbanen, gut ausgebildeten jungen Leute, die die Revolution auf dem Tahrir-Platz anführten – die politisch gewonnen haben. Das ist auch nicht erstaunlich in einer konservativen, mehrheitlich muslimischen Gesellschaft, in der die Muslimbrüder im Untergrund bestens organisiert waren. Die “Partei für Freiheit und Gerechtigkeit” mag mit dem Militär paktieren – sie wird aber auch versuchen, ihm die Flügel zu stutzen. Die Menschen, die wir in den Einheitstopf der Islamisten werfen, haben verschiedene Formen und Größen: fett und dürr, hart und sanft, dogmatisch und pragmatisch. Einige setzen vorrangig auf freie Marktwirtschaft, andere auf Wohlfahrt, wieder andere auf kulturellen und religiösen Konservatismus. In den Ländern des Arabischen Frühlings kommt es entscheidend darauf an, welche Sorte von Islamisten die Oberhand gewinnt, in welchem Kontext und unter welchen inneren und äußeren Zwängen. Im Moment scheinen die Prioritäten der “Partei für Freiheit und Gerechtigkeit” in Ägypten klar zu sein: einige Verbesserungen in Wirtschaft, Sozialleistungen und Sicherheit für die Bürger zu bringen. Wenn das nicht gelingt, das wissen die Politiker, werden sie Popularität und damit Stimmen verlieren.

 

Ein Jahr nach dem Sturz von Husni Mubarak ist das nicht das, was die jungen Revolutionäre vom Tahrir-Platz sich erträumten. Es ist auch nicht das, was wir westlichen, säkularen Liberalen uns erträumt haben. Deshalb ist es kein neues 1989. Aber es ist auch nicht 1979, und wir sind nicht in Iran, wo eine Regenbogen-Revolution schnell zu einem unterdrückerischen islamistischen Gottesstaat degenerierte. Es ist Ägypten 2012. Sogar säkulare Liberale und koptische Christen sagen, dass eine pragmatische islamistische Regierung, die nach und nach den aufgeblähten Militär-, Sicherheits- und Beamtenapparat beschneidet, vielleicht das Beste ist, das sie erwarten können. Wenn die unter uns, die in reicheren und freieren Ländern leben, Ägypten in seiner Übergangsphase helfen wollen, dann müssen wir anfangen zu verstehen, was in all der staubigen und schlaglöchrigen Komplexität passiert. Wir haben nichts zu verlieren außer unseren Klischees. {Quelle: www.spiegel.de –  Ein Debattenbeitrag von Timothy Garton Ash}

 

 

Kommentar von “Kopten ohne Grenzen

 

Welche säkularen Liberalen und welche koptischen Christen hat denn der Verfasser dieses die Islamisten schönredenden Artikel gefragt?

 

Hier wird die Welt offensichtlich in linker Manier darauf vorbereitet, dass eine islamistische politische Führung nicht einmal die schlechteste aller Optionen wäre. Hat der Verfasser des Artikels schon einmal daran gedacht, dass eine solche Führung Parteiverbote aussprechen kann wie im damaligen Ostblock oder in Hitlerdeutschland? Hat der Verfasser des Artikels schon einmal daran gedacht, dass nur noch islamische Parteien zu Wahlen, wenn diese nicht gänzlich abgeschafft werden sollten, zugelassen werden, nur um den Islamismus in der Staatsführung gedanklich zu konservieren und schön zu reden? Ist der Spiegel von allen guten Geistern verlassen? Meint er wirklich, dass islamistische Regierungen keine Vetternwirtschaft und keine Korruption kennen? Wie groß ist eigentlich das Verständnis der linken Journaille für den Islam? Das Verständnis für das Christentum und den Kirchen ist bis auf Herrn Matussek beim Spiegel gegen null gesunken und befindet sich seit Jahren im Minusbereich. Aber der Islam wird hofiert, als ob in seinem Machtbereich sämtliche politischen Regime ok wären, demokratisch ohne Minderheitendiskriminierung ohne Verfolgungssituation ohne Menschenrechtsverletzungen. Ja, neuerdings werden mit solchen Artikeln sogar die Islamisten hofiert. Das kann auch nicht mit Pragmatismus entschuldigt werden. Das ist nur noch Verkennung und Verdrehung koranischer Tatsachen, wer kritikfrei solche ideologischen Führungskräfte journalistisch begleitet.

 

Wie krank und erschüttert müssen die Synapsen von Gehirnwindungen bei Politikern, den Journalisten der Hofmedien und einigen Kirchenleuten sein, nunmehr auch noch den Islamisten irgendetwas Gutes abringen zu können. Das würde dann auch beim Stalin- und Hitlerregime klappen. Schließlich waren diese doch auch Führer von Sozialisten, lieber Spiegel. Mag man noch moderaten Muslimen sprechen, die in der Welt kein Wässerchen trüben können, so können wir doch nicht mehr so bewusstlos agumentieren, den Radikalen in welcher Form auch immer moderate Führungsqualitäten zusprechen zu können.  Sind für ein solches Regime die jungen Leute auf die Straße gegangen? Ich glaube das nicht. Nun unterteilen unsere Medien die Islamisten noch nach Sorten, verschiedenen Größen und Formen. Wir glauben mittlerweile, dass die Denkwelt Europas immer mehr degeneriert. Wer spätestens jetzt die Gefahren nicht erkennt, die Islamisten an der Macht mit sich bringen, Libyen, Iran, Afghanistan, Pakistan, ja auch die Türkei, die sich unter Erdogan immer mehr islamistisch ideologisiert, der hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden, der ist auch bereit, die eigenen politischen Errungenschaften aufs Spiel zu setzen.

 

Islamisten, Herr Journalist Ash, haben eines gemeinsam: Sie legen den Koran wortwörtlich aus. Was das bedeutet, sollten Sie wissen. Wenn sich diese Clique einmal festgesetzt hat in der Regierung, wird sie das Land nicht mehr loslassen. Sie sind die nützlichen Idioten des islamischen Dogmas der Welteroberung, die einhergeht mit Religionsunfreiheit, der Zensur, der Religionspolizei, der Scharia in reinster Form. Wer das noch nicht gecheckt hat, hat den Islam nicht nur nicht verstanden, sondern auch völlig unterschätzt. So können nur noch Naivlinge und gutmenschliche Fantasten schreiben.

 

Herr Ash, die islamistischen Führer werden nicht an Stimmen verlieren,

weil das ägyptische Volk den Islam mit der Muttermilch aufgesogen hat, sofern sich nicht Kopten sind 

 

 

Die islamistischen Führer werden höchstens dafür sorgen, dass eine islamistische Regierung durch eine andere ersetzt wird.

 

2 Responses to “Man, diese Drogen! Ist der Karnaval nicht vorbei?”

  1. Emanuel Says:

    Fifa-Vizepräsident Prinz Ali bin el Hussein hatte bei der Generalversammlung südwestlich von London ein neues Hijab-Modell präsentiert. Diese hat einen Verschluss, der sich beim Ziehen öffnet. Er begrüße die Entscheidung für einen „beschleunigten Prozess mit weiteren Tests des neuen und sicheren Designs“, sagte der jordanische Prinz. Sobald das Gesetz am 2. Juli bei der IFAB-Sondersitzung in Kiew verabschiedet sei, „sehen wir viele stolze und glückliche Spielerinnen zum Fußball zurückkehren“, sagte Hussein….
    Fußballerinnen mit Hijab: Fifa will Kopftücher im Fußball erlauben – weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/sport/fussball/fussballerinnen-im-hijab-fifa-will-kopftuecher-im-fussball-erlauben_aid_720519.html

  2. Emanuel Says:

    Das Geld fließt in Strömen aus Saudi Arabien und Katar in den Westen, in den “Spiegel” in den “Focus” in den “Stern” in die “Welt” in die “Frankfurter Rundschau” …. Das sind unsere neuen Auftraggeber, liebe Kopten ohne Grenzen …. Wir müssen ja schließlich leben … leben …. ????


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