kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die Kopten sind die Verlierer der Revolution 28. Februar 2012

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 17:00

Sorgen um die Glaubensfreiheit in Ägypten

 

Zur Solidarität mit den koptischen Christen in Ägypten hat der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, die Kirchen in Deutschland aufgerufen. Es sei nötig, gegenüber den Repräsentanten des Landes eine klare Sprache zu sprechen, damit die anhaltende Gewalt gegen die koptische Minderheit ein Ende finde, sagte er am Samstag in Berlin und fügte hinzu: “Wir brauchen einander, wir gehören zusammen.” Der höchste Repräsentant des koptisch-orthodoxen Patriarchen in Deutschland sprach bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee. Die koptische Kirche ist von Anbeginn eine Kirche der Märtyrer gewesen, betonte Damian weiter. Sie sei jedoch aus den Verfolgungen immer gestärkt hervorgegangen. Auch in der Gegenwart seien die Kirchen nach Anschlägen voller als zuvor, sogar Muslime seien konvertiert, so der koptische Bischof. Besorgt äußerte er sich über das Schicksal koptischer Mädchen und Frauen, die aufgrund der Tatsache, dass sie kein Kopftuch trügen, seiner Ansicht nach Gefahr liefen, entführt und vergewaltigt zu werden.

 

Unterdessen haben Ägyptens Islamisten auch bei der Wahl zur zweiten Kammer des Parlaments eine deutliche Mehrheit erzielt. Wie die Zeitung “al-Akhbar” am Sonntag unter Berufung auf die Wahlkommission berichtete, erhalten die islamistischen Parteien in der Schura zusammen mehr als 80 Prozent der Sitze. Damit werden im ersten Parlament nach dem Sturz von Langzeitpräsident Husni Mubarak sowohl Unterhaus als auch Oberhaus von den islamistischen Kräften dominiert. Die Muslimbruderschaft kommt demnach mit 58,3 Prozent auf 105 der 180 zu besetzenden Sitze. Die radikal-islamischen Salafisten konnten 45 Mandate erringen, die liberale Wafd-Partei 14. Die Wahl hatte in Etappen über mehrere Wochen stattgefunden. {Quelle: www.welt.de}

 

 

Koptische Christen in Ägypten: Die Verlierer der Revolution

 

Sie kämpften mit ihren Nachbarn für den arabischen Frühling.

Doch den Kopten in Ägypten ist von der  Revolution nicht viel mehr geblieben

 als die Erkenntnis,

dass ihr Leben unsicherer geworden ist.

 

Warum trägst du kein Kopftuch? Antons Schwester wusste erst gar nicht, was sie auf die Frage antworten sollte. Schließlich hatte sie noch nie ein Kopftuch getragen. Sie ist koptische Christin, jeder in dem Kairoer Viertel, in dem sie lebt, kennt sie. Also warum stellte die Nachbarin jetzt so eine Frage? Weshalb machen andere immer unbefangener abfällige Bemerkungen über die Kopten, und weshalb sind in der ägyptischen Verfassung noch immer nicht die Artikel gestrichen, die die Christen als Bürger zweiter Klasse diskriminieren? Antons Schwester hat sich das oft gefragt. Vor kurzem noch haben die Kairoer gemeinsam auf den Straßen für die Revolution, für Ägypten und für ihre Freiheit gekämpft. Und plötzlich ist nur noch von der Macht des Islam die Rede. “Das ist doch eindeutig ein Zeichen dafür, dass die Revolution uns Kopten vergessen hat”, meint Anton enttäuscht. Er lebt seit Jahren in Berlin in Sicherheit, doch um seine Schwester und seinen Bruder, die beide in der ägyptischen Hauptstadt wohnen, macht er sich schon manchmal Sorgen. Der Anteil der Kopten liegt nach offiziellen Statistiken bei rund zehn Prozent der ägyptischen Gesamtbevölkerung. Und doch wird die Gruppe von vielen konservativen Muslimen als Feind gesehen. Anton sagt: “Die Stimmung in Ägypten war schon immer gegen die Christen, aber jetzt nach der Revolution haben viele das Gefühl, dass die Situation für uns noch um einiges schlimmer geworden ist”.

 

 

Haben die Salafisten einen Freibrief?

Zu Recht, wie es scheint. Denn nach der Explosion einer Kirche, bei der im Januar 2011 in Alexandria 23 Menschen ums Leben kamen, vergingen nur zwei Monate, bis Anfang März in Kairo eine Kirche in Kairo in Flammen stand. Anton hat die Bilder der anschließenden Straßenschlachten noch gut vor Augen, bei denen 13 Menschen den Tod fanden, und auch die Brandanschläge auf weitere zwei Gotteshäuser in den Monaten danach, denen wieder heftige Straßenschlachten zwischen Kopten und den radikalislamischen Salafisten folgten mit weiteren 15 Todesopfern. Konsequenzen für die Täter gab es bislang nicht. Der Militärrat hat niemanden vor Gericht gestellt. Im Gegenteil. Nach dem Sieg der Muslimbrüder bei den Parlamentswahlen Ende 2011, und ihrer angekündigten Zusammenarbeit mit der salafistischen Hizb al-Nur Partei, scheint es, als ob sie einen Freibrief haben. Naguib Gobraiel, Leiter der ägyptischen Union für Menschenrechte, sieht darin eine Ermutigung für die rassistischen Angreifer. Im Magazin der “Zeit”, erklärte er Ende 2011, die Zukunft der Christen in Ägypten sehe düster aus. “Vor der Revolution wurden Christen nur indirekt diskriminiert, seit der Revolution greifen Salafisten und Muslimbrüder die Christen offen und direkt an”. Wer kann, verlässt das Land. Viele Kopten flüchten in die USA. Manche nach Deutschland, wo Bischof Anba Damian, das Oberhaupt der Kopten in der Bundesrepublik, mit viel Engagement versucht, ihnen die Angst vor der Zukunft zu nehmen.

 

 

Das Telefon im Kloster läutet ununterbrochen

Der stattliche 57-Jährige sitzt mit langem grauweißen Rauschebart und in einem bescheidenen schwarzen Gewand in seinem Büro im koptischen Kloster im nordrhein-westfälischen Höxter und versucht von der Situation seiner ägyptischen Landsleute zu erzählen. Von den Opfern des Anschlags von Alexandria, die in Münchner Kliniken behandelt wurden und trotz ihrer schrecklichen Erlebnisse wieder zurückkehrten in die Heimat, um ihren Beitrag für die Demokratie zu leisten. Er sagt, man dürfe das Feld nicht den Extremisten überlassen, sonst sei Ägypten verloren, und meint: “Eigentlich ging es doch um die Bekämpfung von Armut, die Verbesserung der Gesundheit und um Bildung. Also Dinge, die einen direkten Nutzen bringen.” Jetzt sei davon keine Rede mehr. “Es spielen hauptsächlich religiöse Themen eine Rolle, aber wo bleiben da die Menschen?” Dann klingelt sein Handy. Bischof Damian, der in seinem “ersten Leben” Mediziner war, ehe er sich 1991 entschloss, sein Leben in den Dienst der koptisch-orthodoxen Kirche zu stellen, entschuldigt sich für die Störung, nimmt das Gespräch an, spricht, legt auf. Dann erzählt er, dass Anfang Februar wieder zwei Kopten in Ägypten erschossen wurden und dass man die Täter, obwohl sie bekannt sind, nicht verhaftete. Es wundere ihn nicht, dass seit Ende 2011 jeden Monat 15 bis 18 neue Flüchtlinge in Deutschland landen, um in der Gemeinde Schutz zu suchen und Trost. Dann kommt schon der nächste Anruf. Der Bischof ist ein gefragter Mann in diesen Tagen.

 

 

Praktische Hilfe statt moralischer Unterstützung

Zwar hat die koptische Gemeinde in Deutschland nur rund 6000 Mitglieder. Doch zurzeit sind neben der Seelsorge für seine “Schäfchen” auch sein politischer und sein diplomatischer Rat gefragt. Damian engagiert sich in mehreren interreligiösen Arbeitskreisen, die – für ihn selbstverständlich – auch den Kontakt zu muslimischen Vertretern einschließen. Er redet mit Engelszungen, doch wirklich optimistisch ist er nicht, dass sich die Situation der Kopten in seiner früheren Heimat verbessert. Im Moment deute nichts darauf hin, dass die künftige ägyptische Regierung die rechtliche Basis für eine Gleichberechtigung schaffe, die auch im Alltag eingefordert werden könne. Natürlich hat er aufmerksam verfolgt, wie die deutsche Regierung sich gegenüber den aktuellen Menschenrechtsverletzungen geäußert hat. Dass Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bei seiner Reise in den Nahen Osten zur Achtung der Religionsfreiheit aufgerufen und erklärt hat, es sei ein “Kernanliegen” Deutschlands, dass die Kopten respektiert würden und staatliche Stellen sie vor Übergriffen schützen, honoriert Damian. Allerdings dürfe die Hilfe nicht nur auf moralische Unterstützung beschränkt bleiben. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat angeregt, über die Vergabe finanzieller Förderung gezielt solche Projekte in Ägypten zu stützen, die sich solidarisch zu den Kopten verhalten. Damian findet das richtig. Und auch Anton hofft, dass der Westen seine Versprechen wahr macht, auf dass seine Schwester endlich wieder ohne Angst vor einem Anschlag in die Kirche gehen kann und ohne Kopftuch auf der Straße nicht beschimpft wird. {Quelle: www.stern.de – Von Manuela Pfohl}

 

2 Responses to “Die Kopten sind die Verlierer der Revolution”

  1. G.*K.*V:* Says:

    …wie immer

    Warum trägst du kein Kopftuch? Antons Schwester wusste erst gar nicht, was sie auf die Frage antworten sollte. Schließlich hatte sie noch nie ein Kopftuch getragen.
    Sie ist koptische Christin, jeder in dem Kairoer Viertel, in dem sie lebt, kennt sie.
    Also warum stellte die Nachbarin jetzt so eine Frage? Weshalb machen andere immer unbefangener abfällige Bemerkungen über die Kopten, und weshalb sind in der ägyptischen Verfassung noch immer nicht die Artikel gestrichen, die die Christen als Bürger zweiter Klasse diskriminieren?
    Antons Schwester hat sich das oft gefragt. Vor kurzem noch haben die Kairoer gemeinsam auf den Straßen für die Revolution, für Ägypten und für ihre Freiheit gekämpft. Und plötzlich ist nur noch von der Macht des Islam die Rede.
    “Das ist doch eindeutig ein Zeichen dafür, dass die Revolution uns Kopten vergessen hat”, meint Anton enttäuscht.

    Er lebt seit Jahren in Berlin in Sicherheit, doch um seine Schwester und seinen Bruder, die beide in der ägyptischen Hauptstadt wohnen, macht er sich schon manchmal Sorgen. Der Anteil der Kopten liegt nach offiziellen Statistiken bei rund zehn Prozent der ägyptischen Gesamtbevölkerung. Und doch wird die Gruppe von vielen konservativen Muslimen als Feind gesehen. Anton sagt: “Die Stimmung in Ägypten war schon immer gegen die Christen, aber jetzt nach der Revolution haben viele das Gefühl, dass die Situation für uns noch um einiges schlimmer geworden ist.”

  2. Shania Says:

    Sorgen um die Glaubensfreiheit in Ägypten

    koptisches Viertel
    Hinter einem hölzernen Tor öffnet sich der Blick auf ein buntes Gewusel von Menschen
    unterschiedlicher Hautfarben. Die meisten Verkäuferinnen an den vielen
    Souvenirständen sind junge ägyptische Christinnen. Sie tragen westliche Kleidung und
    schenken den ausländischen Touristen ein freundliches Lächeln. Ihr Geschäft läuft
    schlecht.
    Kairo ist zur Zeit kein besonders beliebtes Touristenziel. Auch in den
    Dutzenden kleinen Läden ist nicht viel Betrieb.
    Die Verkaufsräume liegen hinter uralten
    Gemäuern, in denen Männer mit schütterem Haar die Waren anbieten und heißen Tee
    schlürfen. In den Schaufenstern stehen Bibeln mit Ledereinbänden und Marienfiguren
    aus Holz, Ton oder Bronze.

    Der Priester macht sich Sorgen um die Zukunft der Kopten in Ägypten. Trotzdem sieht
    er keinen Grund, sich zu verstecken.

    Touristen sollten bei ihnen den Kopten einkaufen,…in Ihren Urlauben…


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