Der Deutsche Robert Baum sitzt als Terrorverdächtiger in einem englischen Gefängnis.
Er war vor einigen Jahren zum Islam übergetreten.
Vor zweieinhalb Wochen wurde dem Deutschen Robert Baum in London der Prozess gemacht.
Die Anklage: Besitz von terroristischem Propaganda-Material.
Der 24-Jährige bekennt sich schuldig. Seine Haftstrafe wird aber zur Bewährung ausgesetzt.
Robert Baum war ein Außenseiter: Zuhause in Solingen wartet seine Mutter Marlis Baum auf ihren Sohn. Sie hofft, dass Robert nach seiner Ankunft in Deutschland zu ihr kommt – und nicht in seine Moschee zurückkehrt. Diese gilt als deutsches Zentrum der Salafistenszene, einer sehr konservativen islamischen Gruppierung, die den Koran wörtlich auslegt. “Meine Hoffnung ist, dass er klarer denkt, dass er wieder auf den Weg kommt, wo er vorher war”, sagt Marlies Baum. Rückblick: Robert Baum wächst in Solingen auf. Er ist der klassische Außenseiter, wird viel verprügelt und das Pausenbrot wird ihm geklaut. “Er hat alles mit sich machen lassen”, erinnert sich seine Mutter. “Er hat sich lieber verprügeln lassen, als dass er mal zurückgeschlagen hat”. Als Robert 13 Jahre alt ist, stirbt sein Vater an Lungenkrebs. Robert beginnt, die Schule zu schwänzen, bleibt sitzen und schafft nur einen Hauptschulabschluss. Nach seinem Wehrdienst beginnt Robert 2007 ein Praktikum bei einer Schneidwarenfabrik in Solingen. Robert Baum gilt als “zuverlässiger, ruhiger und sehr fleißiger” Praktikant und schließt auch eine Ausbildung zum Fachlageristen erfolgreich ab.
Ein Leben für den Islam: Noch während seiner Ausbildung 2009 konvertiert Robert Baum zum Islam. Der junge Mann zieht sich nun öfter zum Beten in einen Pausenraum zurück, ansonsten bemerkt man bei der Arbeit keinen Veränderung an ihm. Eine Festanstellung im Anschluss an seine Ausbildung lehnt Robert Baum allerdings ab. Er habe eine “andere Lebensplanung”. Denn Robert Baum will in Alexandria arabisch lernen. Ein richtiger Moslem müsse arabisch können, sagt er. Seiner Mutter erzählt er, sein Ausbildungsbetrieb habe ihn nicht übernommen. Marlis Baum wundert sich zwar, erlaubt ihm aber die Reise nach Ägypten. Doch schon nach vier Monaten muss Robert Baum Alexandria wegen der Unruhen rund um den arabischen Frühling verlassen. Im Januar 2011 kehrt er deshalb nach Deutschland zurück und zieht in die Solinger Moschee. Den Kontakt zu seiner Mutter bricht er ab.
Mutter hofft auf Rückkehr: Vom Verfassungsschutz erfährt Marlis Baum schließlich sechs Monate später, dass ihr Sohn mit einem Freund am Londoner Flughafen verhaftet wurde. Im Gepäck hatte er eine Anleitung zum Bombenbau und diverse islamistische Propagandaschriften. Derzeit wartet Robert Baum nun in England auf seine Abschiebung. Er wurde in einem Prozess zu zwölf Monaten Haft verurteilt. Sechs Monate hat er bereits vor dem Prozess in Untersuchungshaft gesessen, die restlichen sechs Monate sind nun auf Bewährung ausgesetzt. Seine Mutter hat nur einen Wunsch: Dass sich ihr Sohn von den Salafisten lossagt und einen gemäßigten Islam lebt. “Ich habe noch immer das Gefühl, dass er zu den Salafisten hält”, erklärt Marlis Baum. Ihre Hoffnung ist, dass der neue radikale Prediger der Moschee, Mohammad Mahmoud, abschreckend auf ihren Sohn wirkt. “Robert ist nicht gewalttätig. Wenn er sieht was momentan in der Moschee los ist, dass dort ein Radikaler unterwegs ist, wird er sich abwenden”, glaubt Marlis Baum. {Quelle: www.stern.de}
Video: Salafisten: Wenn das eigene Kind zum Terrorverdächtigen wird (07:03)