kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Türkische Behörden selektieren Juden aus 8. September 2011

Filed under: Islamische Schandtaten — Knecht Christi @ 11:23

Erdowahn brennt die letzte Sicherung durch

 

Die letzte Aggression der türkischen Regierung gegenüber allem was Israelisch ist, erreichte gestern einen neuen Höhepunkt: Diplomatische Konflikte, öffentlicher Schlagabtausch von Regierungschefs und Ministern sind das eine – aber eine kollektive, gezielte und überfallartige Einschüchterung von ganz normalen Bürgern und Reisenden/Gästen, ist schon wieder ein hasserfüllter Schritt weiter.

 

Grenzschützer der türkischen Polizei wurden ‘von oben’ angewiesen, alle israelischen Passagiere mehrerer Flüge, die heute Istanbul passierten, von allen anderen Reisenden zu selektieren und zu isolieren. Zwischen 50 und 70 Israelis mussten dann einzeln grundlos bedrohliche Schikaneverhöre über sich ergehen lassen – der Willkür des türkischen Staates völlig ausgesetzt, dem Pass beraubt und mit Polizisten konfrontiert, die teilweise kaum ein Wort Englisch verstanden, aber sehr rau und aggressiv vorgingen. Der islamisch regierten Türkei brennen nicht nur gegen Israel langsam die Sicherungen vollständig durch … “Was wollt ihr hier?“, sollen Israelis bei Verhören durch die türkischen Grenzschützern gefragt worden sein. Ihre Laptops wurden durchgesehen, alle Taschen und Koffer gelehrt oder durchsucht, und sie lange und penibel ausgefragt.

 

Einige, die Istanbul nur als Zwischenstation hatten und es eigentlich noch einmal auf dem Rückflug passieren müssten, wurde von den Polizisten mündlich ‘geraten’, nicht noch einmal vorbei zu kommen. Aggressive Gesten, Bellen von Kommandos, sollen Teil der psychischen Schikane und Einschüchterung gewesen sein. Eine junge Israelin erzählte im israelischen Rundfunk (Reschet Beth), wie sie von Pistolen tragenden Polizisten umringt wurde und – es noch für einen Irrtum haltend, denn was hatte sie schon getan? – bald feststellte, dass ihr Alptraum gerade erst begonnen hatte: Sie wurde angewiesen, ein Zimmer zu betreten. Türkische Polizistinnen folgten ihr und gestikulierten ihr neben türkischen Befehlen, die sie nicht verstand, sich auszuziehen. Die zögernde Israelin zog nur Pullover und Schal aus, weil sie nicht davon ausging, dass es weiter gehen sollte. Sie wurde darauf hin wiederholt angebellt und musste sich letztendlich bis auf die Unterhose ausziehen und wurde dann “rau” abgetastet. Ihre Kleider schmiss die Polizistin auf den Boden in einer Ecke hinter sich und war dabei die Tür zu öffnen, während die Israelin darum bat sich wieder anziehen zu dürfen, bevor sie die Tür öffnet, aber die Polizistin versperrte ihr den Weg.

 

Die junge Frau sagte, sie könne sich jetzt ein wenig vorstellen, wie es ihrer Oma im Holocaust ergangen sei, wo man keine Macht hat, den unklaren Befehlen von fremden Uniformierten folgt, ohne zu wissen, wo das alles endet. Sie fühlte sich wenigstens etwas aufgehobener, als man alle Israelis in einer Ecke zusammenpferchte, die sie nicht verlassen durften. Sie musste zwar auf die Toilette und wollte sich hinsetzten – was beides von den türkischen Polizisten allen Israelis der Gruppe verboten wurde – aber wenigstens “konnte man die Erlebnisse austauschen” und sich in der Gruppe bestärken. Die Ausweise aller Israelis wurden von den Polizisten auf einem Stapel gesammelt – ein weiterer Beweis für die grundlose, ‘kollektive Bestrafung’ und Schikane. Einige Frauen sollen ziemlich panisch geworden sein.

 

Die junge Frau berichtete weiter, dass sie erst wirklich aufatmete, als ihr Anschlussflugzeug nach Tel Aviv in der Luft war und wie froh sie war in Israelin zu landen. Auf keinen Fall wolle sie auf dem Rückflug nach Südafrika über Istanbul fliegen. Es gab auch einen anderen Israeli, der erzählte, dass er Glück hatte, und sein Polizist sich nachher bei ihm entschuldigte und sagte, dass er halt seine Befehle habe, so zu verfahren – ein weiteres Anzeichen, dass es hier nicht um speziellen Verdachtsfälle ging, die vor Ort behandelt wurden, sondern es sich um ein höher geplantes Schikaneverfahren handelte.

 

Zeitgleich wurde in der türkischen Presse verbreitet, dass doch auch gerade erst angeblich 50 Türken genauso am Ben Gurion Flughafen ‘schikaniert’ worden seien, mit Aufhalten, Passkontrollen, Ausfragen und Durchsuchungen bis auf die Unterhose. (CNN biss den Köder und redete im Endeffekt mehr über die angeblichen israelischen als über die tatsächliche türkische Schikane.) Zum einen wird hier durch das Timing der Veröffentlichung dieser Meldungen und das genau auf die Meldung passende Vorgehen in Istanbul, noch deutlicher, dass es sich hierbei offensichtlich um eine emotionale, ‘gekränkte’ Wut-Rache-Aktion a la ‘Wie du mir, so ich dir’ des türkischen Staates handelt, der sich sogar noch passend eine Pseudobegründung für sein provokatives Vorgehen suchte.

 

Aber halt nur, wenn es stimmen würde. Denn Israel dementierte sehr schnell und bezeichnete es glatte Lüge, dass gerade eine Gruppe von Türken so am Ben Gurion Flughafen behandelt wurden. Und selbst wenn: Die meisten von uns wissen, welchen Aufwand man am Ben Gurion Flughafen für Sicherheit betreibt und dass nach bestimmten Screening-Mustern (ledig, jung, männlich, Moslems etc.) strenger oder laxer kontrolliert wird – was empirisch, sicherheitstechnisch bedingt ist. Darüber kann man gerne streiten, und es gibt auch immer mal wieder einzelne Fälle von längeren Ausfragungen bis zu Körperchecks in seltenen Fällen, aber sicher ist, dass dort nicht bestimmte Nationalitäten von Reisenden, die nichts miteinander zu tun haben und vollkommen andere ‘Punkte’ haben, grundlos in Sippenhaft genommen werden und dann auch noch aggressiv bedroht werden.

 

Die israelische Flughafenleitung von Ben Gurion bestreitet auch ausdrücklich die Vorwürfe aus Ankara. So sah also das neuste antiisraelische Manöver Erdogans aus: Blamiere und schikaniere israelische Reisende in Istanbul und erfinde einen weiteren Vorwand. Das Vorwand kreieren und konfrontieren von Israel würde in letzter Zeit nach der Marmara leider eine Spezialität der Erdoganführung. In Israel sagen Offizielle jetzt bereits das Offensichtliche: “Die Türken versuchen uns mit Gewalt in eine offene Konfrontation und Straßenkämpfe auf dem internationalen Parkett zu manövrieren, aber wir werden ihnen das Vergnügen nicht geben”.

 

Eine schöne Zusammenfassung, von dem was gerade in der Türkei und durch die Türkei passiert: Erdogan prescht vor, auf jede Provokation erpicht, die Streit und Feindschaft zwischen Israel und die Türkei bringen könnte. So kann er sich innenpolitisch vor dem seit Jahren in Filmen und Serien antisemitisch verhetzten Volk, und in der Region vor den antisemitischen arabischen Massen und dem Iran profilieren. Er zeigt allen: Hier, ich habe nichts mit ‘den Zionisten’ zu tun, im Gegenteil, ich gehe sie hart an und verteidige den ‘Stolz der Muslime’. Auch sonst ist der türkische Narrativ auf einem gefährlichen Tiefpunkt in Sachen Juden und Israel. Sie – die lieben Türken – waren nämlich das beste und ethnische Volk der Welt und so großherzig Juden bei sich aufzunehmen und nur ein bisschen zu unterdrücken. Sie aber – die undankbaren Juden – wendeten sich ‘vom Rechten Weg’ (der Unterwerfung unter das türkisch-muslimische Joch) ab und verdienen es, für diese Frechheit von der edlen Türkei ordentlich bestraft zu werden. (Dass das von hinten und vorne mit Wunschdenken und Übertreibungen zusammengekleisterte Halbwahrheiten sind, braucht mal wohl nicht weiter zu erklären).

 

Diese ‘Vom-Juden-enttäuschte-und-Rache-nehmende’ Denkweise zieht sich wie ein Faden durch die Geschichte des Antisemitismus u.a. mit den berühmten Vertretern Mohammed und Martin Luther. Man muss sich mal in die Psyche eines Erdogans oder eines anderen türkischen Antisemiten versetzen: Da hat man großangelegt und mit militanten Provokationen ein Vorwand herbeigeführt, wo man Israel offen angreifen, bedrohen und verlogene Entschuldigungen einfordern kann, und hofft, dass die restliche antiisraelisch geneigte Welt mitzieht, und bekommt dann diesen peinlichen Palmer-Bericht vor die Tür. Denn hier steht ganz klar, dass 1) die Blockade legal war und 2) Israel korrekt handelte, die Schiffe zu entern, waehrend den türkischen ‘Aktivisten’ auf den Schiffen und der türkischen Organisation 3) zwielichtige Gründe und 4) der offenen “Wusch zu sinnloser Eskalation” unterstellt werden.

 

Das nervt, das tut weh, ging nach hinten los, vor der ganzen Welt (falls diese es überhaupt interessiert) steht man dumm da. Man kann sich nur vorstellen, um wieviel mehr das die Wut und den Zorn eines so (wie oben gezeigt) denkenden Antiisraeli befördern muss. Hinzu kommt noch, dass die Türkei diese Schlussfolgerungen des Berichts wohl schon inoffiziell kannte und eigentlich geplant hatte, ihre Reaktion der Ausweisung des israelischen Botschafters (genial oder: Reaktion auf den UN-Bericht, der dir mehr Unrecht gibt als dem anderen, ist halt einfach den anderen vor die Tür zu setzten), in ein paar Tagen – zur UN-Abstimmung über ‘Palästina’ durchzuführen, wo auch der Bericht hätte veröffentlich werden sollen. Das vorzeitige Durchsickern des Berichts und seine Veröffentlichung bei der New York Times haben die türkischen antiisraelischen Pläne noch mehr durchkreuzt, was den Blutdruck bei Erdogan und Co. nicht gerade fallen lassen sollte. Auch, dass Israel nicht weiter auf die Drohungen und die Ausweisungen reagierte, lässt sie nur noch mehr toben. Und so griffen sie wohl (meine Spekulation) kurzerhand zu dieser niedrigen, emotionalen Stolz/Würde/Kränkungstaktik gegen Zivilisten.

 

Übrigens, für einige der Israelis, die heute für ihr ‘israelisch sein’ machtlos feindlicher Willkür und Schikane ausgesetzt waren, war das ein ganz neues Gefühl: Die meisten Israelis haben nie erleben müssen, wie es ist, als Jude von einer nichtjüdischen Mehrheit im Alltag bedroht zu sein, und eine der Israelinnen heute in Istanbul gab auch an, dass sie sowas nie erwartet hätte und anfangs ein ‘naives Vertrauen’ in die Polizisten hatte. Israelis wie sie haben Antisemitismus nie erlebt und solche emotional geleiteten, willkürlichen Angriffe, rufen bei einigen hoffentlich wach, dass es nicht alles so Friede Freude Eierkuchen ist und Israeli sein eben doch nicht einfach noch eine Nationalität ist. Es gibt aber immer noch Israelis, die meinen zumindest der Handel werde auch auf lange Sicht mit der Türkei weitergehen. Ich würde das leicht bezweifeln.

 

Von seiner antiisraelischen Wut und vom ‘arabischen Frühling’ beflügelt, bringt jetzt Erdogan in großen Schritten seine neue islamische regionale Allianz gegen Israel voran: In Kürze (12. September) soll er in Kairo eintreffen um dort ein “strategisches Bündnis” (ja auch militärisch) mit dem neuen, sich islamisieren, Ägypten zu schließen. Er will die Gelegenheit auch nutzen um einen Besuch in Gaza über den ägyptischen Grenzübergang abzustatten und der Hamas den Rücken zu stärken. (Es ist noch nicht klar, ob Ägypten dem zustimmen wird). Ich erinnere mich noch, wie von deutschen ‘Nahostexperten’ das ‘türkische Modell’ als ein positives mögliches Vorbild für Ägypten gepriesen wurde – der ‘gemäßigte, demokratische Islam’, der in der Regierung sitzt würde Ausgleich und Wohlstand bringen.

 

Ich hoffe, diese Leute öffnen jetzt ab und zu mal ihre Augen und schauen sich die ganz banalen Nachrichten an. Nicht nur, dass das relativ ‘gemäßigte Regime’ in Ankara vor allem auch wegen der eisernen Hand der säkularen Armee und ihrer Kader es überhaupt bis heute schaffte und diese gerade von Erdogan und Co. aufgelöst und islamisiert wird, sondern auch das aggressive Ballermann-Vorgehen Erdogans in der Region. Und ich spreche da NICHT nur über Israel, wo die Türkei jetzt offen türkische Marinebegleitung für zukünftige Hilfsflotten nach Gaza verspricht (ich bezweifle, dass sie sich wirklich mal durchdacht haben, was dann passieren würde), denn die Türkei hat gerade Zypern und seine Ölfelder mit dem Entsenden von Kriegschiffen gedroht ‘um nach dem Rechten zu sehen’. Griechenland steht an der Seite Zyperns und hat seinerseits über die türkischen Drohungen nicht geschwiegen.

 

Sowieso ist Israel nicht untätig gewesen und baut seit Beginn der Islamisierung und Verfeindlichung der Türkei seine Beziehungen zu Griechenland, aber auch zu Zypern, Rumänien, Bulgarien etc. aktiv aus. Besonders in Fragen der Gasfelder zwischen Israel, Zypern und dem Libanon scheint sich die Türkei jetzt nach dem Gaza-Paten auch ein wenig in Richtung Libanon-Pate zu bewegen. Sowieso scheint die Türkei – nachdem sich ihre Kriegsrhetorik gegenüber Syrien etwas gegeben hat (dazu und zu dem komplexen Verwicklungen hoffentlich bald in dem Syrien Artikel) – scheint die Türkei sich mit dem Iran weiterhin (immer noch oder wieder) arrangiert zu haben und tatsächlich ein islamisches Bündnis gegen ‘Israel und seine Freunde’ zu schmieden. Es gibt jetzt sogar Berichte, wonach die zunehmenden militärischen Attacken auf Kurde IM Irak aus dem Iran und der Türkei sowie untereinander als auch mit dem schiitisch regierten Irak abgestimmt waren.

 

Man will so gemeinsam die seit Jahrzehnten nach einem eigenen Staat strebenden Kurden (und hier ist es zur Abwechslung mal sehr legitim und konsistent) in Schach halten. Ich hoffe, dass Israel (neben einem Ausbau der ‘westlichen Allianz’ mit Griechenland, Zypern, Bulgarien, Rumänien etc.) mit einer noch stärkeren Unterstützung der Kurden, Ankara und Co. beweist, dass Israel nicht einfach ein Fußabtreter am toten Meer ist, über den Mann zweimal in der Woche rüberstampfen kann, sondern man sich besser mit ihm arrangieren sollte. Ich hoffe, dass jetzt auch die letzten Israelis verstanden haben, dass die Türkei in ein finsteres Zeitalter schreitet und man sie meiden sollte. Israel wurde u.a. gegründet, um Juden eben von solchen Selektionen und ‘Rampenatmosphären’ wie jetzt in Istanbul zu beschützen.

 

Und an alle Juden in der Türkei: Verlasst dieses islamisch-antisemitisch sich selbst versinkende Schiff! Das Atatürks Experiment scheint seinem endgültigen Scheitern weiter näher zu kommen und das ‘Closing of the Islamic Mind’ – der wirtschaftliche und technologisch Niedergang unter einer radikalen islamischen Herrschaft – könnte bald einsetzen, auch wenn die Türkei noch nicht dort ist. Erdogan aber, setzt alles daran und scheint mit allen Mitteln einen offenen Konflikt mit Israel herbeiführen zu wollen – um so vielleicht die Volksmassen hinter sich vereinen zu können um allgemein die Islamisierung der Türkei schneller und radikaler voranbringen zu können? Für Israel sollte das alles heißen, auf der Hut zu sein, und die türkischen Aggressionen, die zunehmend auch den Westen und andere Länder bedrohen und besorgen, nutzen um Bündnisse gegen diese Aggressionen einzugehen und auszubauen.

 

NACHTRAG – 06.09.2011: Heute berichtet Maariv, dass es den meisten türkischen Polizisten Spass machte, die Israelis zu erniedrigen und leiden zu sehen. Die Israelis seien wie Tiere behandelt worden, denen man in Gruppen Anweisungen gibt und nichts erklären braucht. Erstveröffentlicht bei unserem Partnerblog Aro1.com / Foto mitte: Ein türkischer “Friedensaktivist” mit Pistole. Weitere Fotos von den “Friedensaktivisten” aus der Türkei auf dem Gaza-Terror-Schiff finden Sie in dem verlinkten Beitrag bei Aro1.com

 

haOlam.de: von Ulrich J. Becker, Jerusalem

 

2 Responses to “Türkische Behörden selektieren Juden aus”

  1. Eddie Says:

    Krass.Autor ist bestimmt Netanjahu Jude… So einen Müll in die welt zu setzen: Nur einem Juden würde so eine Absurde Theorie einfallen. Judenfeindlich ist schlimm nicht war? Aber Islamfeindlichkeit ist ok? Was ist mit christenfeindlichkeit? Behindertes Kind

  2. MeisnerE. Says:

    Ich tue, was Linke tun: Ungerechtigkeit bekämpfen
    Yossi Wolfson aus West-Jerusalem schreibt einen offenen Brief an die deutsche Linke
    Yossi Wolfson ist Menschenrechtsanwalt. Er engagiert sich in antimilitaristischen, tierrechtlichen und queeren Gruppen

    (http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Israel/linke2.html )

    An meine Genossinnen und Genossen in Deutschland,

    diese Anrede sollte ich wahrscheinlich klären. Habe ich als jemand, der, wie es scheint, von außen kommt, überhaupt das Recht, über Tendenzen in Organisationen, in denen ich nicht aktiv bin, eine Meinung, noch dazu eine kritische, abzugeben? Die Entwicklungen dieser Organisationen betreffen mich allerdings in mehr als einer Hinsicht.

    Mein Vater ist in einem Schtetl in Ostpolen in eine proletarische jüdische Familie hinein geboren. Er wuchs in der Tradition des Bund, einer antizionistischen Arbeiterpartei mit stolzer jüdisch-nationaler Identität auf. Diese Partei war ein Katalysator für die Organisation der gesamten polnischen Arbeiterklasse. Meine Mutter ist in Freiburg in Deutschland geboren. Sie fühlte sich immer eng verbunden mit den liberalen Kreisen des deutschen Judentums, des Judentums eines Buber, eines Rosenzweig. Meine familiären Wurzeln verbinden mich daher sowohl mit der linken Bewegung, als auch mit Deutschland

    Wenn ihr Euch die Mühe gegeben habt, bis hierhin zu lesen, wird Euch der Schock, den ich bei meinem letzten Deutschland-Besuch erlebte, nicht überraschen. Da wurde mir nämlich klar, dass es in der deutschen Linken eine lautstarke Gruppe gibt, die die Solidarität mit meinem Kampf als antisemitisch bezeichnet und mich selber als einen mit Selbsthass infizierten Juden. Wie in einer auf den Kopf gestellten Welt werden die israelischen Generäle-Politiker, die die Unterdrückung in den besetzten Gebieten ins Werk setzen, und der extrem liberalen bzw. rechten israelischen Regierung an die Macht geholfen haben, von diesen Leuten innerhalb der deutschen Linken zu Helden erklärt. Der israelische Soldat, der seine Aufgabe, die Zivilbevölkerung zu unterdrücken, erfüllt, ist für gewisse deutsche Linke ein Vorbild. Während ich gegen das militärische Vorgehen der israelischen Regierung demonstriere, wird diese nicht nur von den Herrschenden in Westeuropa und den USA unterstützt, sondern auch von Demonstranten in Westeuropa, die sich als Nachfolger von Karl Marx verstehen. Fassungslos höre ich diese Dinge, lese die Publikationen dieser deutschen Linken und frage mich, ob ich mich nicht in einen Albtraum verirrt habe. Wie kann es sein, dass solche Stimmen aus der deutschen Linken kommen, die für mich immer ein Vorbild war, eine legendäre revolutionäre Kraft zu sein schien, die den wahren antikolonialistischen Kampf führte und sich im solidarischen Bündnis mit Migrantinnen und Migranten befand. Wie kann es sein, dass diejenigen, die sich in der Nachfolge von Marx, Luxemburg, Adorno wähnen – einen Krieg unterstützen, die wahllose Tötung von Zivilisten, wirtschaftliche und politische Ausbeutung und Unterdrückung, Apartheid und Kolonialismus! Was man aus der Ferne sieht, sieht man aus der Nähe nicht. Denkt man in Deutschland wirklich, dass die Unterstützung der Politik der israelischen Regierung, eine für beide, Palästinenser und Juden verheerende Politik, der Königsweg ist, den Antisemitismus zu bekämpfen?

    Es ist möglich, eine offene Debatte über die Politik im Nahen Osten zu führen. Das sollte aber nicht bedeuten, dass die Grundannahmen von Internationalismus und der Ablehnung von Kolonialismus und Unterdrückung aufgegeben werden. Man kann durchaus auch mit Leuten diskutieren, die diese Grundannahmen nicht teilen, aber man muss wissen, dass sie nicht zu trennen sind von einer linken Identität. Und wer sie fallen lässt, kann von sich nicht beanspruchen, ein Teil der Linken zu sein.

    So kann man in der linken Bewegung und in der LINKEN mit Gruppen wie BAK Shalom über deren Agenda diskutieren, aber dabei darf die Tatsache nicht verschleiert werden, dass es eine rechte Agenda ist. Und eine Gruppe mit einer solchen Agenda kann auf keinen Fall integraler Teil einer Partei sein, die sich den anspruchsvollen Namen DIE LINKE gegeben hat.

    Mit solidarischen Grüßen, Yossi Wolfson

    * Im Sommer 2009 besuchte Yossi Wolfson Freunde in Deutschland und war fassungslos über die pauschale Solidarität deutscher Linker mit Israel. Dies nahm er zum Anlass für den hier dokumentierten Brief.
    Im Januar erscheint dieser ungekürzt in dem von Sophia Deeg und Hermann Dierkes herausgegeben Sammelband »Bedingungslos für Israel?«, Neuer ISP Verlag.


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