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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ein Titel für Mubaraks graue Eminenz 31. Januar 2011

Filed under: Aktuelle Nachrichten — Knecht Christi @ 02:47

In den dreißig Jahren seiner Herrschaft hat Ägyptens Präsident nie offiziell einen Stellvertreter gehabt. Doch die Rolle hatte Omar Suleiman schon lange inne. Zwar ist er kein Mann der Armee. Doch er passt in ihr neues Drehbuch.

 

Vier Tage lang hatte Husni Mubarak geschwiegen. Dann, sehr spät am Freitagabend, blickte der ägyptische Staatspräsident, abgemagert und matt, in die Kamera des abgedunkelten Raums, in dem das Staatsfernsehen seine Ansprache aufzeichnete. Mubarak äußerte Verständnis für die „legitimen Erwartungen“ der Demonstranten. Wieder einmal stellte er Reformen in Aussicht. Und wieder einmal zeigte er sich am Ende aber doch uneinsichtig. „Ich oder das Chaos“, lautete seine Botschaft. Auf den Straßen erntete er Hohn dafür. Selbst die Ausgangssperre, die Mubarak unter ernsten Drohungen verhängt hatte, nahmen die Demonstranten nicht ernst. Der Staatspräsident strahlt keine Autorität mehr aus.

 

Ein Vakuum ist entstanden – und langsam füllt es die Armee. Erst hat sie in den Straßen und auf den strategisch wichtigen Plätzen die bei den einfachen Ägyptern verhasste Polizei abgelöst. Gepanzerte Fahrzeuge und Panzer bezogen Aufstellung, wo ungefähr bis zur Ansprache Mubaraks im Staatsfernsehen am Freitag die Bereitschaftspolizei – die sogenannte Zentrale Sicherheit – und der Staatssicherheitsdienst mit seinen Antiterroreinheiten Mauern gebildet hatten. Dann füllten die Streitkräfte auch ein Vakuum im Staat und stellen nun an dessen Spitze ein Triumvirat.

 

Eine „militärische“ Lösung:

Denn erstmals ernannte der seit 1981 amtierende frühere Luftwaffenchef Mubarak einen Vizepräsidenten, den er damit indirekt zu seinem Nachfolger vorschlug: Omar Suleiman ist zwar als Geheimdienstchef kein Angehöriger der Streitkräfte, aber Mubaraks engster Vertrauter genießt auch in der Armee hohes Ansehen. Die Hoffnungen von Mubaraks Sohn Gamal, seinem Vater im Amt zu folgen, haben sich jedenfalls nun endgültig zerschlagen. Mutmaßlich hat er sich mit seiner Familie nach London abgesetzt.

Mubarak entließ auch die Regierung des Technokraten Ahmad Nazif und berief den früheren Luftwaffenchef Ahmad Shafiq zum neuen Ministerpräsidenten. Zuvor war vermutet worden, Mubarak könnte den bisherigen Minister für Industrie und Handel, den Zivilisten und angesehenen Technokraten Rachid Muhammad Rachid, als kleines Zugeständnis an die Demonstranten berufen. Doch Mubarak entschied sich für eine „militärische“ Lösung. Kurz zuvor waren in Washington die Konsultationen des ägyptischen Generalstabschefs Sami Anan mit der amerikanischen Regierung abgeschlossen worden. Wahrscheinlich haben Mubarak, die Armee und die Geheimdienste die Zustimmung Washingtons zu ihrem Tun abgewartet.

 

Armee als Garantin der Stabilität:

Nicht auszuschließen ist, dass Mubarak kaum noch eine Wahl hatte, sondern von den Entwicklungen und der Entschlossenheit hoher Militärs getrieben wurde. Auch der Streitkräfteführung bleibt nicht verborgen, dass die Demonstranten kaum Ruhe geben werden, solange Mubarak im Amt ist. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Armee eher Mubarak fallenließe und Suleiman an die Staatsspitze hievte, als die Stabilität des Staats weiter aufs Spiel zu setzen. Sie sieht sich in erster Linie als Garantin des Staats, nicht eines Regimes.

 

Noch empfinden die protestierenden Ägypter die Soldaten in den Straßen gegenüber den Polizisten als das kleinere Übel. Verhasst ist die Polizei, weil viele Ägypter ihre Brutalität am eigenen Leib erfahren haben. Jeder im Land weiß von den Folterkammern in bald jeder Polizeiwache. Die Armee zieht Wehrpflichtige aus allen Schichten ein, je nach Bildung dienen sie ein Jahr bis drei Jahre. Zwar leisten Rekruten vom Land auch in der Bereitschaftspolizei Dienst. Doch die Armee zehrt auch von ihrem Ruhm, Israel 1973 fast eine Niederlage zugefügt zu haben. Selbst die feinen Klubs, in denen die Offiziere unter sich bleiben und mit ihren Familien das Leben genießen, haben dem Ansehen der Armee nicht sehr geschadet. In diesen Klubs pflegen die Generäle weniger vom Krieg als von ihren Unternehmen zu reden. Denn die Armee unterhält eine unübersehbare Zahl von Firmen, die alles Mögliche von Kühlschränken bis zu Kochtöpfen herstellen.

 

Geschlossen und diszipliniert:

Ein anderes Leben als die Generäle der Offiziersklubs führen die mittleren Offiziersränge, von den Mannschaften zu schweigen. Sie bilden den Querschnitt der Bevölkerung ab. Daher nehmen sie die Unzufriedenheit der Bevölkerung deutlicher wahr als ihre Vorgesetzten – auch die Muslimbrüder haben Sympathisanten in den niederen Rängen der Streitkräfte. Dennoch wirkt die Armee – mit jeweils einer halben Million aktiven Soldaten und Reservisten eine der größten der Welt – geschlossen und diszipliniert. Krieg führte sie 1948, 1956, 1967 und 1973 gegen Israel; 1991 beteiligten sich ägyptische Einheiten an der Befreiung Kuweits. 1952 stürzte die Armee die Monarchie, und seither stellte sie alle Staatspräsidenten: Nasser, Sadat und Mubarak.

 

Als Mubarak 1973 Luftwaffenchef war, gehörte Ahmad Shafiq zu seinen besten Piloten. Im Krieg soll der Mann, der nun die Regierung zu führen hat, zwei israelische Kampfflugzeuge abgeschossen haben, was ihm ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Mubarak einbrachte. 1941 in Kairo geboren, wurde Shafiq 1996 Chef der Luftwaffe. 2002 wechselte er als Minister für die zivile Luftfahrt in das Kabinett, wo er einen entscheidenden Anteil an der Modernisierung der damals abgewirtschafteten Fluggesellschaft Egypt Air und des Flughafens Kairo hatte.

 

Suleiman führte wichtige Verhandlungen:

Omar Suleiman hat als erster Vizepräsident, den Mubarak je hatte, nun offiziell den Rang, der ihm lange inoffiziell zugeschrieben worden war. Der Titel „Geheimdienstchef“ wurde dem asketischen Schnelldenker nie gerecht. Seit zwei Jahrzehnten ist der 1935 in einer oberägyptischen Kleinstadt geborene Suleiman, der einen Teil seiner militärischen Ausbildung im Kalten Krieg in Moskau erhalten hatte, die graue Eminenz Ägyptens. Mubarak vertraute ihm alle wichtigen Themen und Dossiers an. Die Verhandlungen mit den Fraktionen der Palästinenser und mit Israel führte er – nicht einer der vielen Außenminister. Er verhandelte im Namen Mubaraks mit Washington und arabischen Staaten. Die Amerikaner schätzen an ihm, dass er sich entschlossen gegen das Ausbreiten von Irans Machtanspruchs in der arabischen Welt stellt und sich loyal zu Israel verhält. Nur das Herzleiden, das Suleiman mehrmals zwang, sich schwierigen Operationen zu unterziehen, wurde meist gegen ihn eingewandt, wenn in Ägypten über die Nachfolge Mubaraks spekuliert wurde.

 

Zum inneren Zirkel der Macht gehören neben Mubarak, Suleiman und Shafiq auch der Verteidigungsminister und Generalfeldmarschall Muhammad Hussein Tantawi sowie der aus Washington zurückgekehrte Generalstabschef Anan. Keiner von ihnen steht für einen Neubeginn, wie ihn die Demonstranten verlangen. Darin liegt die Chance für Leute wie Amr Musa, den Generalsekretär der Arabischen Liga. Bis 2001 war er Mubaraks Außenminister. In diesem Amt wurde er so populär, dass Mubarak ihn auf den Posten weglobte, der zwar Prestige, aber keinerlei Macht verspricht. In mehreren Interviews hat sich Musa geschickt in dem Spagat geübt zwischen der Unterstützung der Protestbewegung und der Ermahnung, die Stabilität nicht zu gefährden. Allerdings schätzen ihn weder die Vereinigten Staaten noch Israel sonderlich. Der Machtkampf in Ägypten ist noch lange nicht beendet. {www.faz.net – Von Rainer Hermann}

 

One Response to “Ein Titel für Mubaraks graue Eminenz”

  1. Walter Says:

    Al Barredei bietet sich an!
    Aber dem würde ich nicht trauen, denn ich vermute, der würde einen Pakt mit dem Teufel, nicht mit dem Sicherheitsminister machen, um an die Macht zu kommen!
    Barredei und Muslimbrüder stimmen in etwa in Punkto Israel überein!!!

    Von Regen in die Traufe?????


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