kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Al Dschazira: Fast 100 Tote bei Protesten 29. Januar 2011

Filed under: Aktuelle Nachrichten — Knecht Christi @ 13:49

Bei den schweren Ausschreitungen in Ägypten sind nach Medienberichten mindestens 95 Menschen in den vergangenen 24 Stunden ums Leben gekommen. Die Proteste auf den Straßen gehen weiter. Unterdessen ist das ägyptische Kabinett zurückgetreten. Zuvor hatte Präsident Mubarak eine Regierungsumbildung angekündigt.

 

Tausende Ägypter haben am Samstag ihre Proteste gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak fortgesetzt. Mubarak war es in seiner ersten Fernsehansprache seit dem Beginn der Proteste nicht gelungen, die Gemüter der Menschen zu beruhigen. Der 82 Jahre alte Regierungschef kündigte für Samstag die Bildung einer neuen Regierung an. Das Kabinett trat daraufhin am Morgen zurück.

Die Zahl der Toten ist nach offiziellen Angaben vom Samstag auf 35 gestiegen. Darunter sind auch zehn Polizisten. Bislang war von offizieller Seite stets von acht Toten die Rede. Tausende wurden verletzt. Der arabische Fernsehsender Al Dschazira berichtet allerdings von fast 100 Toten in 24 Stunden. Bei den schwersten Ausschreitungen am Freitag zündeten Demonstranten die Zentrale der Nationaldemokratischen Partei (NDP) an. Viele Polizeiwachen wurden in Brand gesteckt. Polizeifahrzeuge wurden demoliert.

An vielen Straßenkreuzungen und vor Behördengebäuden waren am Morgen gepanzerte Fahrzeuge und Panzer der Armee postiert. Die Polizei, die von wütenden Demonstranten am Freitag teils überrannt worden war, zeigte dagegen nur an wenigen Stellen Präsenz. Demonstranten berichteten, die Soldaten seien weniger aggressiv als die Polizei und hätten sie in der Nacht sogar mit Essen und Tee versorgt. Auf einem Panzer ließen sich Menschen am Samstag mit Soldaten fotografieren.

 

An den Straßen standen ausgebrannte und zerstörte Wracks von Polizeiwagen, Brandgeruch lag in der Luft. Der öffentliche Nahverkehr in Kairo war am Samstag stark eingeschränkt. Nur wenige Busse verkehrten. Wer nicht unbedingt aus dem Haus musste, blieb lieber daheim. Einige kleinere Geschäfte öffneten, größere Läden in der City blieben zunächst geschlossen. Der Zugang zum Mobilfunknetz wurde teilweise wiederhergestellt. Einen Zugang zum Internet gibt es aber weiterhin nicht. Um den Informationsfluss unter den Demonstranten zu stören, haben die ägyptischen Behörden offenbar den Datenverkehr gestört.

 

„Mubarak hat nicht eine Forderung erfüllt“: Trotz Ausgangssperre hatten tausende Ägypter in der Nacht zum Samstag ihre Proteste gegen das Regime des seit 30 Jahren regierenden Präsidenten Mubarak fortgesetzt. Auch die Plünderungen gingen weiter. Randalierer attackierten mehrere Hotels und richteten Zerstörungen an, darunter im bekannten Ramses Hotel. Nach Angaben von Anwohnern stürmten Plünderer an der Ausfallstraße zu den Pyramiden von Gizeh ein Hotel und verwüsteten mehrere nahe gelegene Geschäfte und ein Restaurant.

 

Die Demonstranten forderten nach der Rede in der Nacht weiter den Rücktritt des Staatschefs. „Mubarak muss das Land verlassen“, skandierten Regierungsgegner auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo. In seiner Ansprache in der Nacht auf Samstag sagte Mubarak demokratische und wirtschaftliche Reformen zu. Arbeitslosigkeit, Armut und Korruption würden bekämpft werden. Der Staat werde aber entschieden gegen Gewalt vorgehen. „Gewalt löst nicht unsere Probleme und verwirklicht auch keines der Ziele, die wir anstreben“, sagte der Präsident. „Ich werde nicht davor zurückscheuen, jede Maßnahme zu ergreifen, die die Sicherheit eines jeden Ägypters gewährleistet.“

 

Mubarak rechtfertigte das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte, die im Laufe des Tages von Soldaten verstärkt wurden. Die Proteste seien „Teil eines größeren Plans, die Stabilität und die Rechtmäßigkeit“ des politischen Systems zu erschüttern. Er habe Anweisung gegeben, den Demonstranten zu erlauben, ihre Meinung auszudrücken. Akte der Gewalt und des Vandalismus hätten die Sicherheitskräfte gezwungen, die Ordnung wiederherzustellen.

 

Mitglieder der Protestbewegung reagierten unzufrieden auf Mubaraks Rede. „Wir wollen, dass Mubarak geht, aber stattdessen gräbt er sich tiefer ein“, sagte ein Demonstrant, Kamal Mohammed. „Er denkt, er beruhige die Situation, aber er verärgert die Menschen immer mehr.“ Der Journalist Faiza Hendawi sagte: „Mubarak hat nicht eine Forderung der Demonstranten erfüllt und das Volk wird weiter demonstrieren. Er denkt, er könne uns beruhigen, indem er mit uns spricht. Er versteht nicht, dass dies eine Revolution ist.“

 

Appelle von Obama und Merkel: Der amerikanische Präsident Barack Obama drängte Mubarak zur Umsetzung der Reformversprechen. „Ich habe ihm gesagt, dass er die Verantwortung hat, seinen Worten eine Bedeutung zu geben“, sagte er in Washington. Obama appellierte eindringlich an die ägyptische Führung, jegliche Gewalt gegen friedliche Demonstranten zu unterlassen. Auch die Einschränkungen im Internet müssten zurückgenommen werden. Auch die Demonstranten rief Obama zum Gewaltverzicht auf: „Gewalt und Zerstörung werden nicht zu den Reformen führen, die sie suchen.“

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte ein Ende der Gewalt und mahnte Meinungs- und Informationsfreiheit an. „Ich rufe alle Beteiligten, vor allem auch die ägyptische Regierung und den Präsidenten auf, dass sie friedliche Demonstrationen genehmigen, dass die Meinungsfreiheit eine Chance hat“, sagte Merkel am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos.

 

„Das brutale Gesicht dieses Regimes“: Auch die Vereinten Nationen mahnten die Einhaltung der Bürgerrechte an – insbesondere das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie die Informations- und Versammlungsfreiheit. „Eines der Grundprinzipien der Demokratie ist der Schutz und die Gewährleistung der Meinungsfreiheit der Bürger“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in Davos. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, forderte auch die Wiederherstellung der Internet- und Mobilfunkverbindungen.

 

Nach Berichten des Senders Al Dschazira forderte ein führender Vertreter der oppositionellen Muslimbruderschaft Mubarak auf, zurückzutreten. Sollte er weiter an der Macht festhalten, müsse die Armee eingreifen. Der in Kairo unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträger und frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohammed el Baradei, sagte dem Sender, das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte lasse „das brutale Gesicht dieses Regimes“ zum Vorschein kommen.

 

Ausgangssperre in der Nacht: Zuvor waren am Freitag bei Straßenschlachten mit er Polizei allein in Suez 13 Menschen ums Leben gekommen, wie der Sender Al-Arabija unter Berufung auf Krankenhausärzte berichtete. 75 weitere seien verletzt worden. In Alexandria wurden nach Al-Dschazira-Informationen sechs Menschen getötet. Fünf Todesopfer wurden aus Kairo gemeldet, ein weiteres aus der Ortschaft Scheich Zuweid. Allein in der Hauptstadt stieg die Zahl der Verletzten nach berichten von Al-Arabija auf weit über 1000.

 

Im Großraum Kairo und den Provinzen Suez und Alexandria gab es in der Nacht eine Ausgangssperre bis 7.00 Uhr am Samstagmorgen. Die ägyptische Fluggesellschaft Egypt Air stellte für mindestens zwölf Stunden den Flugverkehr ein. Mehrere internationale Airlines hätten ihre Verbindungen nach Kairo vorerst gestrichen, teilte ein Sprecher des Flughafens mit. In Kairo kam es unterdessen zu Hamsterkäufen: Vor einigen Supermärkten bildeten sich Schlangen. Der Kauf von Brot wurde auf zehn Laibe pro Person beschränkt.

 

Mehrere arabische Prinzen und Geschäftsleute verließen das Land. Sie seien mit Privatflugzeugen noch am Freitag in Richtung Riad, Dubai und Amman gestartet, um den Unruhen zu entkommen. Dagegen habe bislang kein ägyptischer Politiker das Land verlassen, erklärte ein Verantwortlicher am Internationalen Flughafen von Kairo am Samstag. {Quelle: www.faz.net}

 

2 Responses to “Al Dschazira: Fast 100 Tote bei Protesten”

  1. Walter Says:

    Frau Merkel sprich von friedlichen Demos erlauben, damit sich die Regierenden beruhigt in den Sessel lehnen können und es zur Kenntnis nehmen, aber nichts verändern.

    Leider geschehen so keine entscheidene Veränderung!

    Regierungen handeln leider nur , wenn es bis aufs Blut knallt!!!!!

  2. der leser Says:

    Würde mich interessieren, wie sich die Kopten im Allgemeinen verhalten, nachdem ich von Aufrufen zur Ruhe gelesen habe.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 295 Followern an