Unter der Bezeichnung „Zabbalin“, abgeleitet vom arabischen Wort „zibala“, d.h. „Müll“, wurden sie auch bei uns bekannt, die Müllsammler von Kairo. Diejenigen, die wirklich den Müll der Haushalte sammeln, bezeichnen sich allerdings selbst als „zarrabin“, was sich vom Arabischen „zariba“, d.h. „Viehpferch“, herleitet. Die ägyptischen Müllsammler sind nämlich nicht nur Müllsammler, sondern sie waren bis in die jüngste Vergangenheit auch Halter von Tieren – meist von Schweinen, die ihnen etwa die Hälfte ihrer Einnahmen brachten.
Die Frauen der Müllsammler hatten einst die wichtige Aufgabe der Trennung des Biomülls, der als Schweinefutter diente, von den übrigen Wertstoffen. Nach der Keulung der Schweine durch den Staat im Mai 2009 klagen die Frauen heute, dass ihnen ihre Haupteinnahmequelle genommen wurde und dass sie ohne Arbeit sind, weil kein Biomüll mehr gebraucht wird. Ihnen wurde jüngst ein herber Schlag versetzt, durch den ihre wirtschaftliche Basis vermutlich endgültig zerstört wurde. Unmittelbar nach dem Auftreten der fälschlicherweise als „Schweinegrippe“ bezeichneten neuen Grippe mit dem Erreger H1N1 in Amerika beschloss das ägyptische Parlament, alle Schweine im Lande zu töten. Die Aktion wurde auf brutalste Weise im Mai 2009 durchgeführt, als ca. 400.000 Schweine, die sich meist im Besitz der überwiegend koptischen Müllsammler von Kairo befanden, auf Bulldozer geladen und in der Wüste lebendig in Gruben geworfen und mit Kalk und Industrieabfällen überschüttet wurden. (weiterlesen…)





